Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 458 (sequence 5)
- Language
- German
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458 Im deutschen Reich. gänzlich unvereinbar. Daß damit auch keineswegs in den antisemitischen Kreisen die monarchischen Anschauungen gekräftigt werden, bewies eine kürzlich bei einem Sommerfeste des „Deutschen Antisemitenbundes" mit Jubel aufgenowmene Stelle in der Festrede des Abg. Wilhelm Bruhn. Dieser betonte zunächst, das deutsche Heer sei noch ein anderes, als das russische, in dem ausgesprochener Anarchismus mehr und mehr Platz greife. Bruhn kam aber dann Ziemlich unerwartet zu dem Ausdruck lebhaften Bedauerns über die Adelsverleihungen an einige frühere Juden und entfaltete im Anschluß daran seine Liefinnersten Gefühle durch die Worte: „Ein neuer Prinz ist dem Hohenzollernhause geboren worden; hoffen wir, daß es unter ihm, der berufen ist, dereinst den Thron seiner Väter zu besteigen, einst anders werde." Das ist keine vereinzelte Stimme im Lager der Judengegner, vielmehr sind diese durch die ihnen regierungsseitig seit Jahren besonders im Verwaltungswege gemachten Zugeständnisse keineswegs regierungsfreundlicher, sondern nur anmaßender geworden. Jede neue Nachgiebigkeit veranlaßt sie, ihre Ansprüche zu steigern, durch dreiste Drohungen die Regierung mehr und mehr auf den Weg des Rückschritts zu drängen, der niemals zu einer Festigung der Monarchie, sondern zum Anarchismus nach russischem Vorbilde — führt. Bei den Verhandlungen über das Volksschulgesetz drängte sich wiederholt die Wahrnehmung auf, daß keineswegs nur unter den radikalen Antisemiten vom Schlage Bruhns dieNeigung besteht, im Widerspruch mit Verfassung und Gesetz die Gleichberechtigung aller Staatsbürger zu mißachten. Selbst im preußischen Herrenhause sind die warnenden Stimmen, die sich gegen Verfassungsverletzungen richteten, spurlos verhallt. Der Breslauer Oberbürgermeister Dx\ Bender erklärte: „Der größte Fehler des Gesetzes ist, daß es nicht einfach sagt, wo Konfessions- und^wo Simultanschulen bestehen sollen, sondern der Agitation Mittel und Handhaben für häufige Aenderungen bietet. Wenn Sie übrigens einmal die Konfessionsschule fordern, so ist es bedauerlich, daß die Stellung der Juden und des jüdischen Religionsunterrichtes nicht der der anderen Konfessionen gleich ist. Die Juden sind mit die besten Steuerzahler im Lande und können mindestens dasselbe Maß von Berücksichtigung beanspruchen wie