Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Der letzte Akt des Dreyfus-Dramas
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 441 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der letzte Akt des Dreyfus-DramaZ. 441 entwickeln, kann nur noch die höchste Verblendung verkennen, mit welchen Mitteln der General seinerzeit gearbeitet hat, um die Verurteilung Dreyfus' herbeizuführen, und zu welchen Mitteln er seither gegriffen, um den Schuldspruch zu stützen und sich selbst reinzuwaschen. Aber die Zeugen vom Schlage der Mercier haben ein bequemes Rettungsmittel bei der Hand, wenn sie von der Verteidigung in die Enge getrieben worden sind. Sie verweigern einfach die Antwort. Die Verhandlungen dauern nun bald schon drei Wochen und nach wie vor hört man alles erdenkliche Gewäsch, das mit dem Gegenstände des Prozesses nichts zu tun hat. Ein Zeuge nach dem anderen marschiert auf — aber bezüglich der Kernfrage, ob Dreyfus, ohne das Bordereau geschrieben zu haben, Verrat geübt, d. h. die in diesem Bordereau angeführten fünf militärischen Geheimstücke ausgeliefert habe, ist vor Gericht noch keine Klarheit geschaffen worden. Blickt man den Verhandlungen in Rennes tiefer auf den Grund, so sieht man auch schon, daß diese Klarheit schwerlich eintreten wird, weil der Gerichtshof die „cliose jngee“ vollständig ignoriert. Für den Präsidenten Oberst Jouaust scheint die Entscheidung des Kassationshofes, daß das Bordereau nicht von der Hand Dreqfus' herrühre, nicht zu existieren, und der seltsame Regierungskowmissär kümmert sich ebenfalls nicht im mindesten um die Grundlage der Anklage. Es ist die schlau berechnete Taktik der Hauptgegner des Angeklagten, immer wieder auf die „res judicata“ Zurückzugreifen und zu behaupten, Dreyfus müsse das Bordereau geschrieben haben- Sie gehen von ihrer Meinung nicht ab, um einerseits auf die Richter, andererseits auf das Volk zu wirken." Die beabsichtigte Wirkung auf die Mehrheit des französischen Volkes haben sie aber doch nicht erzielt; über das von den fünf Offizieren in Rennes iw September 1899 gefällte Urteil dachte man zumeist so, wie Ives Gupot, der im „Siede“ schriebe Diese Offiziere verurteilten Dreyfus, weil sie die Generale vor den Konsequenzen der Verbrechen retten wollten,welche diese seit den fünf Jahren angehäuft hatten. Die fünf Offiziere irren, wenn sie glauben, das angestrebte Ziel erreicht zu haben. Die Regierung muß Mercier wegen falschen Zeugnisses sofort verhaften lassen. Wir werden uns niemals vor diesem widersinnigen Urteil beugen; wir werden die Revision verlangen und werden sie erreichen."