Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Der letzte Akt des Dreyfus-Dramas
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 440 (sequence 5)
- Language
- German
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440 Im deutschen Reich. verschiedensten Länder seitdem beständig einstimmig behauptet hat, sondern die Gattin des Unglücklichen und ihre Verwandten sowie ihr elsässischer Landsmann, der Vizepräsident des französischen Senats Scheurer-Keftner waren es, die zunächst für die Unschuld des auf der Teufelsinsel Schmachtenden eingetreten sind. Durch die Petition der Gattin des Kapitäns an die französische Deputiertenkammer um Wiederaufnahme des Prozesses und durch eine iw Sommer 1896 Zur Unterstützung der Petition den Deputierten mitgeteilte, später iw Buchhandel erschienenene Broschüre des Advokaten Bernard Lazare wurde der Fall in die Erinnerung zurückgerufen, und er ist eigentlich seitdem nie wieder ganz von der Tagesordnung verschwunden. Der künftige Geschichtsschreiber wird dem Edelmute der Männer Clemenceau, Jaurös, Picguart u. a. m., die dem Beispiele Scheurer-Kestners und Bernard Lazares folgend, in der Drepfus- Sache Großes geleistet haben, Gerechtigkeit widerfahren lassen; besonders wird es unvergessen bleiben, wie Oberst Picquart seine weitere Karriere und die bis zur Einkerkerung des selbstlosen Mannes getriebenen Verfolgungen der die höchsten Armeestellen bekleidenden Verbrecher auf sich genommen und mit welchem Mannesmut Emile Zola mit dem berühmt gewordenen „J’accuse!“ — „Ich klage an" — trotz seiner gerichtlichen Verurteilung eine vollständige Wendung in der öffentlichen Meinung des französischen Volkes zugunsten eines unschuldig Verurteilten hervorgebracht hat. Unvergessen dürfte es sein, wie Dreyfus unter fast unbeschreiblichen Vorsichtsmaßregeln von der Marterhöhle der Teufelsinfel im Juni 1898 endlich nach Frankreich zurückgebracht und vor das Kriegsgericht in Rennes gestellt wurde, das in bedauerlichster Weise wiederum zu einer Verurteilung des schwergeprüften Offiziers gelangte. Während der Verhandlung in Rennes schrieben die „Baseler Nachrichten": „Die antirevisionistische Presse in Frankreich gibt sich die allergrößte Mühe, die Verhandlungen in Rennes nach ihrer Art zu bearbeiten und die überwiegende Masse des Volkes nach wie vor zu täuschen; General Mercier, den die Nationalisten für die Hauptstütze ihrer erbärmlichen Sache gehalten haben, ist wirklich nicht der Held des Tages. Seit Labori im Gerichtssaale begonnen hat, durch ein geschicktes Kreuzverhör aus dem Wust der persönlichen Meinungsäußerungen die Wahrheit zu