Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Der letzte Akt des Dreyfus-Dramas
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 439 (sequence 4)
- Language
- German
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Der letzte Akt des Dreyfus-Drmnas. 439 koppen gerichtet; dieser Brief sei entwendet und photographisch nachgebildet worden. Den Brief selbst habe der damalige Ministerpräsident Dupuy dem deutschen Botschafter wieder ausfolgen müssen, um dessen Abreise und einen Krieg zu verhüten. Die Photographie des Briefes sei der Hauptbeweis für die Schuld des Dreyfus gewesen. Diese ungeheuerliche Erfindung ist von der französischen Regierung sofort zum Gegenstand einer amtlichen Ableugnungsnote gemacht worden. Daß es aber mit den andern Beweisen für die Schuld des armen Dreyfus nicht besser bestellt war, dafür Zeugt eine Veröffentlichung des Organs des ärgsten Feindes des jüdischen Offiziers Dreyfus. Die „Eidre parole“ Ed. Drumonts hat nämlich am 1. Juli d. I. ein gewiß unverdächtiges Zeugnis dadurch abgelegt, daß sie eine Erklärung Esterhazys veröffentlichte, daß er das Bordereau geschrieben und im Dienste der Gegenspionage gestanden habe. Esterhazy erhebt in seinem Schreiben lebhaft Einspruch gegen die von der Zeitschrift „Eclair“ aufgestellte Behauptung, daß er der Strohmann von Dreyfus sei, und sagt: „Jetzt, wo durch die Dummheit und Feigheit gewisser Generäle und Politiker das Spiel verloren ist, fallen sie von neuem über mich her und greifen zu den widersinnigsten Erfindungen." Als vor 12 Jahren die Untersuchrmg gegen Dreyfus eingeleitet wurde, geschah dies in so geheimnisvoller Weise, daß die Nachricht von seiner am 17. Oktober 1894erfolgten Verhaftung erst am 1. November 1894 durch eine Notiz des „Eclair“ bekannt wurde. Selbst der Gouverneur von Paris, dessen Gerichtsbarkeit der Kapitän unterstand, erfuhr sie erst am 3. November Zugleich mit den Akten über die Vorermittelungen und gab sofort den Befehl zur förmlichen Voruntersuchung. Nun begannen die absolut geheim gehaltenen Verhandlungen, die zu dem am 16. Dezember 1894 gefällten Urteil des Kriegsgerichts führten, das aus Degradation und lebenslängliche Verbannungnach Cayenne lautete. Eine journalistische ausführliche Schilderung der Förmlichkeiten der Degradation erweckte vielfach Mitleid mit den Seelenqualen des seine Unschuld fortwährend beteuernden Verurteilten; im allgemeinen war aber damals die traurige Episode bald vergessen. Nicht das imaginäre ^internationale Judentum", wie die Antisemitenpresse..der