Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Der letzte Akt des Dreyfus-Dramas
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 438 (sequence 3)
- Language
- German
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438 Zm deutschen Reich. offiziers, der die Landesverräter zu entlarven nicht in der Lage war, über den schimpflichen Sachverhalt hinwegzutäuschen. Zu einem solchen Sündenbock hielt man einen bei seinen Kameraden nicht sonderlich beliebten aber sehr tüchtigen und strebsamen elsässischen Juden, Alfred Dreyfus, geeignet, der es in der französischen Armee zum Generalstabsoffizier gebracht hatte. Es war eine beißende Satire des „Simplizissimus", daß er damals einem deutschen Baron auf die Aeußerung, ein Skandal wie diese Opferung könne in Deutschland sich nie ereignen, antworten ließ: „Sicher nicht, denn bei uns würde ein Jude nicht Generalstabsoffizier werden." Im Jahre 1894 war dies durch den Klerikalismus aber auch in Frankreich zu einem seltenen Vorkommnis gemacht worden. Die terroristische Art, in der der jüdische GeneralstabsLffizier, ohne daß man bei ihm irgend etwas Belastendes gefunden hatte, von den französischen militärischen Vorgesetzten unter der Beschuldigung der Spionage und des Verrats militärischer Geheimnisse verhört wurde, wie man dann auf Grund einer unsicheren Schriftenvergleichung eines Papierwisches, des sogenannten „Bordereaus", von ihm ein Geständnis zu erpressen versuchte, war schwachvoll, nicht für die französische Justiz, die diese Voruntersuchung doch schließlich unverhüllt der öffentlichen Verachtung preisgegeben hat, sondern für die militärischen Behörden. Wie viel diesen daran gelegen haben muß, die Schuld des Landesverrats auf ein jüdisches Opfer abzuwälzen, zeigte sich sehrdeutlich, als drei Jahre später das „antisemititische Syndikat" in Frankreich Grund zu der Befürchtung einer Wendung zu gunsten des Gefangenen auf der Teufelsinsel zu haben glaubte. Da wagte man sich plötzlich mit einer dreisten Erfindung sogar an den deutschen Kaiser heran. Rocheforts „Jntransigeant" veröffentlichte eine Enthüllung, wonach Dreyfus, der sich in der französischen Armee zurückgesetzt fühlte, von Kaiser Wilhelm brieflich die Erlaubnis erbeten habe, in die deutsche Armee einzutreten; Kaiser Wilhelm habe dem Hauptmann durch die deutsche Botschaft bedeuten lassen, er könne Deutschland weit bessere Dienste leisten, wenn er in der französischen Armee bleibe; er solle gleichzeitig als preußischer Offizier gelten und im Kriegsfälle in die preußische Armee eintreten dürfen. Der Kaiser habe in dieser Angelegenheit einen eigenhändigen Brief an den Militärattache Obersten Schwartz-