Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Der letzte Akt des Dreyfus-Dramas
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 437 (sequence 2)
- Language
- German
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Der letzte Akt des Dreyfus-Drarnas. 437 und einige hohe Offiziere, die in dem Drepfus-Prozeß eine mehr als klägliche, ja eine verbrecherische Rolle gespielt haben, kalt gestellt worden sind, ist wohl allen zweifelhaft, die sich minder für diese französischen Herren interessieren, als der ehemalige deutsche Militärgeistliche Stöcker. SeinEifer und der seinesRedaktionsstabes für die blamierten militärischen französischen Antisemiten ist nur durch die „Jnternationalität des Antisemitismus" erklärlich, die sich stets unverhüllt kundgibt, wenn in irgend einem Winkel der Welt ein Angriff gegen das Judentum gerichtet wird. Gelingt er, dann triumphieren die Antisemiten aller Nationen, als hätten sie selbst Grund Zum Jubel, mißlingt er, dann fabeln sie von einem „Siegesrausch der Judenheit", deren angebliche Solidarität und bekanntlich nur von den Antisemiten erdichtete „Macht sich auch in der Affäre Drepfus drastisch offenbart" haben soll. In ihrem Kummer über die entdeckte Unschuld des jüdischen Generalstabsoffiziers jammert die „Staatsbürger- Zeitung", bei einem Fehlspruch gegen einen Juden rege es sich allerorten, aber Fehlsprüche deutscher Gerichte blieben unbeachtet. Es ist beachtenswert, daß der Antisemitismus einen ehemaligen preußischen Hofprediger sogar dazu verleitet, gerade bei Besprechung der Drepfus-Affäre die deutsche Rechtspflege so darzustellen, daß sie gegen die französische beinahe minderwertig erscheint. Die Entwicklung der Dreyfus-Angelegenheit dürfte jetzt nach 12 Jahren nur noch wenigen recht erinnerlich sein. Als 1894 von den französischen Militärbehörden wichtige Schriftstücke vermißt wurden, glaubte man Anlaß zu der Annahme zu haben, daß sie einer fremden Macht ausgeliefert worden seien. Die angestellten Nachforschungen blieben erst erfolglos, hatten aber später den zweifelhaften Erfolg, daß den Behörden ein angeblich sehr wichtiger Zettel zugestellt wurde, der aus einem Papierkorbe der deutschen Botschaft in Paris entnommen sein sollte. Daß dort jemals wichtige Papiere unvernichtet in den Papierkorb geworfen worden seien, ist in Deutschland nie geglaubt worden. Nach und nach sollte sich die Vorratskammer des französischen Nachrichtenbureaus mit weiteren Schriftstücken gefüllt haben, die einen Verrat militärischer Geheimnisse an eine fremde Macht glaubhafter machten. Nun mag es einigen wirklich Schuldigen nötig erschienen sein, die beunruhigte öffentliche Meinung durch Opferung eines unschuldigen Generalstabs-