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Im deutschen Reich · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. 433

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
Das Blutbad in Bialystock
Date
1906-07-01
Page
433 (sequence 8)
Language
German
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Das Blutbad in Bialystock. 433 und vielleicht auch diese zu willenlosen Werkzeugen der rückschrittlichen „Petersburger Hofkamarilla" wachen könnte. Sehr beachtlich erschien aber auch der volkswirtschaftliche Grund, daß die Mächte bei einem offenen Bruch mit Rußland die völlige Verarmung unzähliger Kapitalisten ihrer eigenen Länder zu fürchten hätten, die ungezählte Milliarden dem Zarenreiche nur deshalb blindlings anvertraut haben, weil sie in diesem Staat einen zuverlässigen Bundesgenossen ihrer Regierung erblickten. In einer jüdischen Trauerversammlung in Bialystock wurde ein Schreiben des Präsidenten der Vereinigten Staaten Roosevelt, verlesen, in dem er erklärte: „Sie wissen, wie sehr wir Ihre Gefühle teilen, wie ergriffen und entsetzt wir über die Vorgänge in Rußland sind. Sie wissen aber auch, daß es nahezu unmöglich ist, durch eine Intervention etwas anderes als Unheil anzurichten." Aus ähnlichen Gründen hat wohl auch der britische Staatssekretär des Auswärtigen. Earl Grey, auf die im Unterhause an ihn gerichteten bezüglichen Interpellationen es entschieden abgelehnt, in Rußland wegen innerer Angelegenheiten Vorstellungen zu erheben, und sind auch in anderen Parlamenten alle ähnlichen Versuche erfolglos geblieben. Was die Regierungen nicht können, weil politische und wirtschaftliche Rücksichten für sie maßge bend sein müssen, da können die Völker, das kann die Gesamtheit der einzelnen vorurteilsfreien, denkfähigen und menschlich fühlenden freien Männer, die keine Staatskunst hemmt, wenn sie ihren, Abscheu gegen die Mißhandlung Wehrloser kundgeben, die nur deshalb leiden, weil dunkle Ehrenmänner immer wieder das alte Kunststück üben, auf dem Wege der Judenhetze die bürgerliche Freiheit der Gesamtbevölkerung zu vernichten. Ueber den Wert und Einfluß der Protestversammlungen mag man verschiedener Meinung sein; aber gerade die sich am heftigsten gegen solche öffentlichen Kundgebungen äußern, die sie offenbar peinlich berühren, wissen am besten, daß es die Volksempfindung ist, die dabei unverfälscht zum Ausdruck gelangt. Dies zu bewirken, werden sich die Juden sicher angelegen sein lassen, denn von ihnen kann fast jeder sagen: „Mir gab ein Gott zu sagen, was ich leide!" Der Anfang ist in Berlin gemacht worden. Eine von zionistischer Seite einberufene

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