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Im deutschen Reich · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. 432

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
Das Blutbad in Bialystock
Date
1906-07-01
Page
432 (sequence 7)
Language
German
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432 Im deutschen Reich. dieser zu entäußern, denn * auf die Dauer werden die Bankkonsortien garnicht mehr imstande sein, durch Aufkäufen des an die Börse geworfenen russischen Materials die Preise künstlich zu halten. Als die ersten Nachrichten von den in Vialpstock verübten Greueltaten ins Ausland drangen, fragten sich wohl viele, wo der große Strom menschlicher Solidarität bleibe, der seit Jahrzehnten durch die Welt zieht und der Politik einen edleren Inhalt verleiht. Man fragte sich, ob nicht gegen russische Barbarei ebenso eine europäische Intervention möglich sei, wie in vielen anderen Fällen, in denen die Kulturstaaten sich zu gemeinsamen Flottendemonstrationen entschlossen haben, wo nur irgendwo an der Stätte der Halbzivilisation die Menschlichkeit mit Füßen getreten wurde. Daß die Kulturstaaten eine solche vereinigte Kundgebung unter der Protestfahne der Menschlichkeit Rußland gegenüber unterließen, kann man weder auf eine längstentschwundene Bangigkeit vor den Machtverhältnissen des Zarenreiches, noch darauf zurückführen, daß hier die Leidenden keine „Armenier", sondern „Juden" waren, auch nicht auf die durch die russische Nebenregierung hinausposaunte und durch den Widerhall der gesamten europäischen Antisemitenpresse verstärkte Behauptung zurückführen, daß die Massakers in Bialpstock die Folge einer Provokation von jüdischer Seite sei. Diese Lüge ist, wenn auch seitdem von einzelnen Antisemitenblättern beharrlich wiederholt, längst amtlich wiederlegt worden. Hätten wirklich Juden durch Störung einer Fronleichnamsprozession den Ausbruch der Feindseligkeiten verchuldet, dann würde weder der Nuntius in Wien, noch die Mehrheit der katholischen Presse die gegen die Juden verübten Grausamkeiten mit so großer Entschiedenheit verurteilt habenl Nein, bis auf die deutschen Antisemitenblätter, die sich trotz aller Widerlegungen an diese Lüge noch heute festkrampfen und sich dadurch zu Mitschuldigen der Huligans machen, wird man wohl fast allgemein der Meinung des englischen Blattes „Dailp News" sein: „In Bialystock sollte wieder einmal die Revolution in jüdischem Blute erstickt werden!" Für die Großmächte, die sich dagegen nicht auflehnten, war aber gerade der Grund maßgebend, daß eine Intervention des Auslandes den russischen Juden erst recht verhängnisvoll werden, auch das Nationalgefühl der freiheitlich und menschlich empfindenden Russen tief verletzen

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