Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Das Blutbad in Bialystock
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 434 (sequence 9)
- Language
- German
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434 Im deutschen Reich. jüdische Versammlung von über 2000 Teilnehmern, die am 21. Juni d. I. im Saale desHandwerkervereins stattfand, nahm nach Ansprachen der Herren Rabbiner Dr. Weiße, Dr. Klee, Professor Dr. Philippson, Dr. Paul Nathan und Redakteur Klausner einstimmig eine Erklärung an, in der die Versammlung ihren Abscheu gegen jene russischen Machthaber ausdrückte, die zur Unterdrückung der freiheitlichen Bewegung in Rußland Judenmassakers anstiften. Die Versammlung versicherte die geknechteten jüdischen Brüder in Rußland treuer Anteilnahme und sprach die Erwartung aus, „daß die gesamte zivilisierte Welt durch einmütigen Protest und Verweigerung jeder weiteren finanziellen Hilfe diesem frevelhaften Morden Einhalt zu gebieten versucht." In erfreulicher Weise ergänzt wurde diese Kundgebung durch eine vier Tage darauf von christlicher Seite in dem Saale der „Tonhalle" in Berlin veranstaltete große Protestoersammlung, die der berühmte Rechtslehrer Prof, v. Liszt mit einer glänzenden Ansprache einleitete, in der er unter jubelndem Beifall erklärte: „Das gegenwärtige Rußland stützt sich auf die finanzielle Unterstützung, die es vom Westen empfängt. Es muß in dem Augenblick zusammenbrechen, wo ihm die Unterstützung entzogen wird. Wer Rußland unter den jetzigen Verhältnissen hilft, macht sich zum .Helfershelfer der Greueltaten und Zum Mitschuldigen. Daß unsere jüdischen Mitbürger wegen der Niedermetzelungen Klage geführt haben, ist ihr gutes Recht und ihre Pflicht. In erster Linie ist es aber auch gerade Pflicht der christlichen Bevölkerung, in feierlichster Weise Protest einzulegen." Pastor Kirms betonte, daß die Vergewaltigungen der russischen Regierung sich nicht nur gegen die Juden, sondern in den baltischen Provinzen auch gegen die Deutschen richten; daher sei es die Sache des ganzen deutschen Volkes, dagegen Stellung Zu nehmen. Pfarrer Naumann begrüßte in der Einrichtung der Duma den Beginn einer neuen freien Epoche Ferner sprach Rechtsanwalt Schdanow-Moskau als Vertreter der Kadettenpartei über die russische Freiheitsbewegung und Dr. Brutzkus-Petersburg, welcher der Untersuchung der Dumakommission über die Bialystocker Greuel beigewohnt hat. Hunderte von Personen, die nach ^8 Uhr keinen Einlaß fanden, füllten während der Versammlung die umliegenden Straßen und hielten bis in die späten Abendstunden aus.