Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Judentaufen im neunzehnten Jahrhundert [Rezension]
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 399 (sequence 6)
- Language
- German
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Bücherschau. 399 f aff er ein Doppeltes vor, nämlich auf der einen Seite die Hebung der Kenntnis des Judentums und die Hebung des frommen Brauches in den Familien, auf der anderen Seite die Erweiterung der Kenntnis des Christentums. Beiden Punkten des Verfassers kann zugestimmt werden, wenigstens in ihren Grundzügen. Die Ausführung jedoch, wie sie uns in dem Buche entgegentritt, gibt zu Bedenken Anlaß. Gewiß ist der fromme Brauch und seine Uebung in den jüdischen Familien ein hervorragendes Mittel zur Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft. Man kann, wenn auch der Referent nicht auf dem religiösen Standpunkt des Verfassers steht, ohne weiteres anerkennen, daß diejenigen Familien, in welchen Pflege dieses Brauches in alt-jüdisch religiösem Sinne möglich ist, sich vom sozialen Standpunkt aus in einer gewissermaßen beneidenswerten Lage befinden. Aber was soll mit allen denen geschehen, welche nicht Zu dem religiös konservativen Judentum gehören? In dieser Beziehung läßt unser Buch eine eingehende Betrachtung vermissen. Was bei den religiös konservativen Familien die Uebung des frommen Brauches ausmacht, muß in den liberalen Kreisen die Pflege der religiösen Wahrheiten, des Rechtsgutes der religiösen Ehre, die Pflege der geschichtlichen Seite des Judentums, endlich die Ausbildung des. allgemeinen Charakters überhaupt ersetzen. Während aus der einen Seite der religiöse Brauch durch die Konkretisierung seiner Ausgestaltung leicht den Eingang in die Herzen, und namentlich die der Jugend, finden wird und findet, muß auf der anderen Seite das Innenleben des liberalen Judentums durch die Stählung der Einzelpersönlichkeiten gehoben werden. Schon die Verbreitung der Erkenntnis, daß die äußere Hebung der Einzelpersönlichkeit durch künstliche und charakterschädigende Mittel nicht erreicht wird, stiftet hier Gutes. Auf dem Gebiete der Bekämpfung der Judentaufen haben beide großen religiösen Strömungen der Judenheit ihren Platz, und beide sollten hier Hand in Hand gehen. Gewiß ist auch die Kenntnis des Wesens des Christentums vorteilhaft, aber doch lediglich in dem Sinne, daß man die sogenannten Unterscheidungslehren mit logischer Schärfe dem Beobachter gegenüberstellt. Auf nähere Einzelheiten einzugehen, verbietet mir der zur Verfügung stehende Raum. Im großen und ganzen darf man sagen, daß ein jeder Leser des Samter'schen Buches dem Ver--