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Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 398

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Judentaufen im neunzehnten Jahrhundert [Rezension]
Date
1906-06-01
Page
398 (sequence 5)
Language
German
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398 Im deutschen Reich. Aesthetik ist typisch für die Gesellschaftskreise, die sie pflegt. Man findet nämlich die Massenkindertaufen speziell in den schnell reich gewordenen Parvenu-Kreisen der Großstädte vertreten. Diese Leute, welche weder Ernst noch Arbeitskraft zur Erlangung einer tieferen Bildung besitzen, sind ein viel schlimmerer Bodensatz für das Judentum, als viele durch die Not degenerierten Glaubensgenossen aus dem Osten. Denn in diesen liegt die Kraft zur Besserung ihrer Persönlichkeit, die zu einer Erhebung ihrer selbst geweckt werden muß, während jene zwar auf äußerliche Förmlichkeiten etwas geben, aber den Begriff einer ethischen und moralischen Weltanschauung längst über Bord geworfen haben. Für den Sozialpsychologen bietet sich selten ein kontrastreicheres Krankheitsbild. Auf der einen Seite das Streben nach äußerem Prunk, ein übertriebenes Halten auf Aeußerlichkeiten aller Art und auf der anderen Seite eine Charakterschwäche, die ihresgleichen sucht. Es mag das wohl damit Zusammenhängen, daß der plötzliche Wohlstand auf der einen Seite und der Verzicht namentlich des weiblichen Teiles dieser Gesellschaftskreise auf Liefere Bildung ohne Grundlage mit der Zeit immer mehr degenerierend wirkt, und daß namentlich in den studierten Kreisen sich durch die heutigen Geldehen eine Dissonanz zwischen Mann und Frau geltend macht, welche lediglich in dem gemeinsamen Haschen nach äußeren Sensationserfolgen einen Ausgleich findet. Nicht zum allerwenigsten trägt daran das Suchen nach Siegen der Eitelkeit und gesellschaftlichen Ehrungen die Schuld. Im Zusammenhang mit diesem Thema hätte auch noch eine ausführlichere, nicht nur statistische Erörterung über "die Mischehen Platz greisen müssen. Man muß bei der Erörterung über die Mischehen davon ausgehen, daß sie, so schädlich sie auch für den Fortbestand des Judentums sind, doch in den meisten Fällen auf einer unbedingt achtenswerten Grundlage beruhen, und man wird deshalb auch die Bekämpfung dieser Erscheinung aus ganz anderen Gebieten suchen müssen, wie die der Kindertaufen rein jüdischer Elternpaare. Gerade die Nebeneinanderstellung zwischen den Verlusten, welche das Judentum durch Mischehen auf der einen und durch Taufen von Kindern aus jüdischen Ehen auf der anderen Seite erleidet, gibt zur Erörterung einer großen Reihe sehr interessanter Gedanken Anlaß. Als Mittel und Wege zur Besserung der Lage schlägt der Ver

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