Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Judentaufen im neunzehnten Jahrhundert [Rezension]
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 397 (sequence 4)
- Language
- German
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Vücherschau. 397 ist bisher, von rühmlichen Ausnahmen abgesehen, nicht allzuviel geleistet worden. Es mag dem Verfasser ohne weiteres Zugegeben werden, daß die Quellen, die einschlägige statistische Angaben liefern, äußerst dürftig fließen, und daß er in den wesentlichsten Punkten geradezu auf private Angaben angewiesen war. Tas hätte er sich aber vor Augen führen und auch seinen Lesern mitteilen müssen. Tie Veröffentlichungen im „Allgemeinen Kirchenblatt für das evangelische Deutschland" können namentlich insofern nicht als vollgiltige Quellen angesehen werden, als die dort angeführten Ziffern nur die von einem Teile der Geistlichkeit vorgenommenen Taufen angeben. Es gibt eine ganze Reihe von Geistlichen, welche lediglich durch Unterschrift einer Urkunde in der Wohnung des Täuflings die Vornahme der Taufe als geschehen erachten und somit dem Christentum eine große Reihe Konvertiten Zuführen, welche niemals eine Kirche besucht haben. Diese Prediger und andere, welche ähnlich verfahren, werden natürlich bei der sehr großen Zahl ihrer — Opfer, möchte man fast sagen, — der Ermöglichung einer gewissenhaften Statistik immer im Wege stehen. Auch vor Publikationen ihrer Erfolge müssen sie sich scheuen, um nicht in streng kirchlichen Kreisen wegen ihrer gar zu billigen Bedingungen Anstoß zu erregen. Man wird annehmen können, daß die in der Statistik des „Allgemeinen Kirchenblattes für das evangelische Deutschland" aufgeführten Taufen quantitativ zu niedrig, keinesfalls aber zu hoch gegriffen sind Wenn nun auch im allgemeinen zugegeben werden muß, daß diese Zahlen, auch wenn man sie, wie dem Referenten nötig zu sein scheint, zwecks Erreichung eines ungefähr richtigen Maßstabes noch um die Hälfte erhöht, nicht allzu groß sind und für den Bestand des Judentums in keiner Weise bedrohlich erscheinen, so ist bei der ganzen Betrachtung doch noch das Auftreten einer erst in den letzten Jahren sich besonders bemerkbar machenden traurigen Erscheinung zu berücksichtigen, nämlich die der Kindertausen. Wenn auch der Verfasser hiervon Erwähnung tut, so ist trotzdem gerade dieser Punkt lange nicht mit der ihm zukommenden Ausführlichkeit behandelt worden. Der äußere Geschmack mancher Juden hat sich im Laufe der Zeit wenigstens insofern verfeinert, als eine Reihe der „Gebildeteren" unter ihnen, gewissermaßen aus Gründen sozialer Aesthetik, die eigene Taufe verschmäht, aber die ihrer Kinder vornehmen läßt. Diese Erscheinung sozialer