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Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 396

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Judentaufen im neunzehnten Jahrhundert [Rezension]
Date
1906-06-01
Page
396 (sequence 3)
Language
German
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396 Zm deutschen Reich. fasser u. a. die Ausdehnung der Kenntnis des Judentums und namentlich die Uebung des frommen Brauches im jüdischen Hause an. Bei der Beurteilung des Buches muß man davon ausgehen, daß es sich um einen bisher noch nicht gegangenen Weg handelt, und der Pfadfinder immer mit besonderen Schwierigkeiten zu rechnen hat. Darum kann es dem Verfasser auch nicht übel genommen werden, wenn er in Einzelheiten nicht immer das Richtige trifft und manchmal in dem Bestreben, möglichst viel Material heranzuziehen, weniger von Eigenem gibt, als er sicher imstande gewesen wäre. So z. B. ist die Behauptung, daß sowohl Mommsen als auch Treitschke das Verlangen aufgestellt haben, die Juden müßten Christen werden, an und für sich zweifellos richtig. Aber die Motive, .aus denen Mommsen und Treitschke zu ihren Postulaten gekommen sind, sind doch nicht dieselben. Gerade hier hätte sich eine psychologische Erörterung über die Tatsache, daß derartige Rezepte aus den Köpfen ganz verschiedenartiger Persönlichkeiten kommen konnten, leicht und mit gutem Zwecke einfügen lassen. Ueberhaupt ist die psychologische Seite der ganzen Frage immer nur gestreift, und gerade sie ist es, die erst den inneren Befund, welchen die äußeren Bedrückungen des Judentums in dessen Gesamtheit zurück gelassen haben, richtig wiedergibt. Man würde bei der Betrachtung dieser psychologischen Erscheinungen, welche eine ganze Reihe von Motiven im Wechsel der Zeiten erzeugt haben, auf gewichtige Probleme und interessante Fragen gestoßen sein. Die Entwicklungsgeschichte des Problems bringt, das steht allerdings fest, das Resultat mit sich, daß die Motive, welche zur Taufe führten, mit der Zeit immer niedrigere geworden sind, und daß der Schritt, welcher immer einen opportunistischen Charakter hatte, heute mehr denn je sich aus einem Gemisch von Mangel an Einsicht und niedrigen Charaktereigenschaften zusammensetzt. Bei der statistischen Behandlung der Frage und bei der Aufstellung der Tabellen hätte der Verfasser etwas mehr kritische Würdigung mitbringen sollen. May merkt aus der Zusammenstellung dieser Tabellen, daß sie von einem in dieser Hinsicht als Laien zu Betrachtenden herrühren. Der Laie hat im allgemeinen viel zu viel Vertrauen zu dem sich ihm statistisch darbietenden Material. Nur die amtliche Statistik kann Anspruch auf eine gewisse, aber doch nicht unbedingte Richtigkeit machen. In der privaten Statistik

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