Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Judentaufen im neunzehnten Jahrhundert [Rezension]
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 395 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 395 bis zur leisen psychologischen Einwirkung, benutzt worden sind, um den Abfall vorzubereiten, und wie auf der anderen Seite die Kandidaten für das Renegatentum bestrebt waren, sich in der verschiedensten Weise in ihre Situation hineinzufinden. Es gibt trotz der dringenden Notwendigkeit der Aufklärung in dieser Hinsicht noch keine umfassende Beleuchtung der Judentaufen. Der Grund ist leicht ersichtlich. Das Material ist teilweise weit verstreut, teilweise von recht wenig zuverlässigem Charakter. Die psychologische Seite erfordert zu ihrer Erörterung eine genaue Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse und des Menschenmaterials. Die wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen der zu betrachtenden Zeit müssen beherrscht und so ein Bild geschaffen werden, welches unter Zusammenfassung aller dieser Gesichtspunkte einen Blick in die jüdische Gemeinschaftsseele werfen läßt. Das angezeigte Buch über die „Judentaufen im neunzehnten Jahrhundert" bedeutet einen wesentlichen Schritt zur Lösung dieser Aufgabe. Es enthält die Verwertung eines reichen Materials; man wundert sich über die Belesenheit des Verfassers auf fast allen Gebieten, die irgendwie in Frage kommen. Auch die ausländische Literatur ist berücksichtigt, und schon als Materialensammlung wäre das Buch von Bedeutung. Wir finden zunächst eine umfassende Schilderung aller derjenigen Ursachen, welche namentlich die preußischen Juden im neunzehnten Jahrhundert zum Abfall zu bestimmen geeignet waren. Dabei werden interessante Streiflichter auf die Art und Weise geworfen, wie im Anfang des Jahrhunderts, namentlich unter der Regierung Friedrich Wilhelms III., der Staat seine jüdischen Untertanen zu entrechten wußte. Solche Zusammenstellungen sind charakteristisch für die Anschauungen des Staates über Moral uud Sittlichkeit. Wenn man diese Tatsachen damit Zusammenhält, daß der Entdecker der Idee vom „Christlichen Staat" selbst ein getaufter Jude gewesen ist, so hat man ein gutes Stück Ironie in der Weltgeschichte vor Augen. In weiteren Kapiteln werden die Bemühungen der Judenmissionen und deren recht klägliches Fiasko geschildert. Es folgt eine statistische Darstellung der Judentaufen, und das Schlußkapitel bildet den therapeutischen Teil, d. h. die Angabe der Mittel, welche zur Verhinderung weiterer Ausdehnung der Judentaufen und zur Heilung der ihnen Zu Grunde liegenden Krankheiten des jüdischen Gemeinschaftskörpers führen sollen. Als derartige Mittel gibt der Wer-