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Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 374

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Berlin
Date
1906-06-01
Page
374 (sequence 3)
Language
German
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374 Im deutschen Reich. und Bestrebungen dieser Führer war die deutsch-soziale Partei die Partei der vornehmeren Elemente des Antisemitismus. Sein Programm war, wenn man von einigen alldeutschen Neigungen absah, so allgemein gehalten, daß es schließlich jeder unterschreiben konnte, und die Art der Ausführung hat die Mitglieder dieses Parteichens sehr häufig mit dem Zentrum Zusammengehen lassen, besonders in Fragen der Fürsorge für kaufmännische Angestellte. Sobald die Herren sich freilich aus das Gebiet der der „hohen" Politik und der patriotischen Schaumschlägerei verwirrten, war es für verständige Leute unmöglich, mit ihnen zu gehen. Sie hätten am liebsten gesehen, wenn wir uns in alle Händel eingemischt hätten, die es in der Welt gab. Ihr Antisemitismus konzentrierte sich auf eine möglichst entschiedene Betonung ihres Deutschtums. Einen direkten Kampf gegen die Juden führten sie nicht. Auf diesem Gebiete vertrat die strammere Tonart die deutsche Reformpartei. Ihr Arbeitsfeld war der städtische Mittelstand, besonders im Königreich Sachsen und in Berlin. Ihre Führer sind die Abgeordneten Zimmermann- Dresden und Bruhn-Berlin, der früher Herausgeber der Staatsbürgerzeitung war und heute ein Skandalblatt, die „Wahrheit" herausgibt. Sie bewegen sich in der Judenfrage in scharfem Kampfton und fördern in wirtschaftlichen Fragen den rücksichtslosesten Mittelstands-Radikalismus. Das hindert aber nicht, daß sie die wenigen Mandate, die sie noch haben, in der Provinz sich holen müssen. In den Großstädten ist in Preußen für sie nichts zu machen und in Sachsen auch nicht viel. Der Antisemitismus als politische Partei ist bei uns nunmehr zirka 20 Jahre alt. Er hat es bisher zu nichts gebracht und es ist auch wohl anzunehmen, daß er über 20 Mandate im Reichstage niemals herauskommen wird. Die finanziell stärkeren Elemente, die ihn bisher unterstützt haben. Ziehen sich mehr und mehr zurück." Unter der Ueberfchrift „Der Nationalismus in der Handlungsgehilfen-Vewegung" bringt die „Kaufmännische Rundschau" (Organ des Vereins der Deutschen Kaufleute) einen von Carl Brendel verfaßten Artikel, indem u. a. gesagt wird: „Ich kann es wohl als bewiesen annehmen, und es wird dies ja wohl auch von den meisten Handlungsgehilfen-Verbänden anerkannt, daß parteipolitische und auch religiöse Momente aus der Bewegung nuszuschalten seien. Wo also der Nationalismus

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