Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Berlin
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 373 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 373 gestrichen worden. Es folgt daraus hauptsächlich, daß jüdische Lehrkräfte, welche in erster Linie Zur Erteilung des Religionsunterrichts berufen sind, nicht kraft Gesetzes, soweit es zu ihrer vollkommenen Beschäftigung nötig ist, in anderen Fächern unterrichten müssen. Damit ist die vollwertige Anstellung jüdischer Lehrkräfte auf die jüdische Konfessionsschule beschränkt, soweit nicht bisher schon anderweitige Anstellungen stattfanden. Im übrigen ist die Bestimmung in Wegfall gekommen, daß die politischen Gemeinden allgemein die Befugnis haben sollten, für den jüdischen Religionsunterricht zu sorgen. Es bleibt die Unklarheit bestehen, ob die Gemeinden, wo es bisher noch nicht geschieht, diesen Religionsunterricht übernehmen dürfen. Stehen geblieben ist nur die Vorschrift, daß die politischen Gemeinden für die Kosten eines von den Spnagogengememden einZurichtenden Religionsunterrichts nach Maßgabe des Gesetzes von 1847 beizutragen haben. Wenn auch an anderen Stellen des Gesetzes, insbesondere hinsichtlich der Zulassung des Rabbiners zu den Schuldeputationen, gewisse redaktionelle Verbesserungen erreicht sind, so bleibt für den Verband der Deutschen Juden, der die Angelegenheit nach wie vor im Auge behält, noch immer ein ergiebiges Feld der Tätigkeit. Das Herrenhaus tritt erst am 15. Juni wieder zusammen, so daß eine letzte Hoffnung bleibt, wenigstens das in der Kommission des Abgeordnetenhauses Beschlossene für das Gesetz noch zu retten. Unter der Ueberschrist „Der Antisemitismus bringt es zu nichts mehr"" schreibt die nichts weniger als judenfreundliche ultramontane „Märkische Volkszeitung": „Von einer allgemeinen Volksbewegung, so wie Ahlwardt und Stöcker es sich früher träumten, ist heute keine Rede wehr. Auf idealer Basis ist eine antisemitische Partei nicht mehr groß zu ziehen. Beide Parteien dieser Richtung, die im Reichstage vertreten sind, die deutschsoziale Partei und die deutsche Reformpartei stehen auf dem Boden der wirtschaftlichen Interessen bestimmter Berussklaffen. Die deutschsoziale Partei i ft ein Parteianhängsel des Bundes der Landwirte. Nach und nach, aber mit absoluter Sicherheit, hat Dr. Diederich Hahn, der Bundeshäuptling, sich die Partei dienstbar gemacht. In Liebermann von Sonnenburg und Reventlöv fand er Mitglieder des Bundes, die sich immer mehr unterfeinem Einfluß bringen ließen. Entsprechend den Gewohnheiten