Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 367 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 367 gegen die Gemeinschaft mit dem exaltierten Magnaten von Klein-Tschirne verwahrt hat. Die Kampfweise mag eine andere sein, aber aus vielen Einzelheiten ist unschwer zu erkennen, welchen Einfluß der fromme Judenfeind auf den gräflichen Schwarmgeist ausgeübt hat, und wie dieser Einfluß ihm noch jetzt zu statten kommt. Während alle Welt glaubte, Graf Pückler sei nach kurzem Heimatsurlaub nach Klein-Tschirne wieder nach Weichselwünde zurückgekehrt, erschien der streitbare Graf wieder in Berlin, um hier gegen Eintrittsgeld von 30 Pf. seine bilderreichen Reden an den Mann Zu bringen. Was er in einer öffentlichen Versammlung bei Buggenhagen vom Stapel ließ, übertraf alles bisher von ihm Gehörte. Aus seiner Rede führte die „B. Z. am Mittag" folgende Stichproben an: „Auf der „Saubude" Weichselwünde, wo ich pro xatria et gloria verschiedene Monate abzubrummen hatte, gefällt es mir ja Zeitweise ganz gut, aber in Berlin ist es doch besser. Von der Saubude aus habe ich ein Gesuch um Begnadigung an den Kaiser geschickt, das jedoch abschlägig beschieden worden ist. Dies ist mir unverständlich, weil ich mir doch um den Kaiser und um den Staat große Verdienste erworben habe, so daß mir von Rechts wegen der Rote Adlerorden mit Brillanten und Schwertern Zustände . . . Unser Reichskanzler ist ebenfalls ein großer Judenfreund. Meiner Meinung nach hätte er pensioniert werden müssen, als er durch die Rede meines lieben roten Freundes Bebel im Reichstag ohnmächtig wurde. Ich würde dann Bebel selbst als Nachfolger Vorschlägen und ihn als Se. Durchlaucht Fürst August von Bebel ausrufen lassen. Durch Gesetz läßt sich die Judenfrage überhaupt nicht mehr lösen. Ich muß daher mal eine Heerschau beim Mondschein auf dem Tempelhofer Felde über meine lieben roten Kerle abhalten. Auch die Penn-, Sauf- und Klamottenbrüder werde ich organisieren und dann ist der Sieg unser. Bei der Parade auf dem Tempelhofer Felde werden meine Trompeter aus Klein- Tschirne als Parademarsch blasen: „Haben sie nicht den kleinen Eohn gesehen"! In seinem Vorträge über das Thema „Die in Fäulnis geratene Gesellschaft" bezeichnete sich Pückler dann als „revolutionären" Sozialisten, der das deutsche Volk Zum Kampfe führen wolle gegen die Fürsten. „Wenn die Hohenzollern nichts mehr für uns tun, dann werden