Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 366 (sequence 9)
- Language
- German
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366 Im deutschen Reich. Im Wahlkreise Altena-Iserlohn suchte in letzter Zeit der ehemalige Hofprediger Stöcker dadurch Propaganda für einen christlich-sozialen Kandidaten zu wachen, daß er behauptete, nur ein solcher könne die Sozialdemokratie zurückdrängen, lieber Stöckers Auftreten in diesem Wahlkreise schreibt die „Freie Deutsche Presse": „Wie es bei einem Mann wie Stöcker nicht zu verwundern war, macht er den „Einfluß des Judentums auf unser Volksleben" dafür verantwortlich, daß die sozialdemokratische Bewegung so mächtig geworden sei. Es lohnt sich nicht, auf diese absurde Behauptung einzugehen. Nach Ansicht der Antisemiten sind die Juden eben an allem schuld, und es sollte uns nicht wundern, wenn der Abg. Stöcker uns demnächst bewiese, daß der Ausbruch des Vesuvs und des Erdbebens in San Francisco auch von den Juden verursacht worden ist." Auch die nationalliberale „Köln. Ztg." äußert sich scharf über die Wahlagitation Stöckers in dem Kreise Altena-Iserlohn und führt dabei in einem „Die christlich-soziale Gefahr" überschriebenen Artikel folgendes aus: „Die christlich-soziale Partei'", die unter Stöckers Führung in Berlin und im Osten unseres Vaterlandes so klägliche Ergebnisse aufzuweisen gehabt hat, hat seit mehreren Jahren den Einbruch in den Westen unternommen und beginnt hier ein immer gefährlicheres Spiel zu treiben. Scheinbar wendet sie sich gegen die Sozialdemokratie, betreibt aber in Wahrheit deren Geschäfte, da sie ebenfalls nur eine einseitige Klasfenpolitik kennt; anderseits arbeitet sie dem Nltramontanismus in die Hände, mit dem sie lieber zusammengeht als mit dem liberal denkenden nationalen Bürgertum, das von ihr als unchristlich bei den evangelischen Arbeitern, kleinen Handwerkern und Beamten hingestellt wird. Sie nistet sich in den Wahlkreisen ein, in denen sie gar keine Aussicht auf Erfolg hat, wo sie aber durch Abbröckelung liberaler Wahlstimmen diesen Parteien den sonst leicht zu erringenden Sieg erschweren oder gar in Frage stellen kann. Das Mittel, das die christlich-soziale Partei anwendet, um die Wähler zu gewinnen, ist so einfach wie in seinen Wirkungen verwerflich und verderblich". Wie auch aus diesen Ausführungen hervorgeht, ist von Stöcker zu Pückler nur ein Schritt, so sehr und so oft sich auch der mit dieser Familie eng befreundete Herr Hofprediger