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Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 365

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-06-01
Page
365 (sequence 8)
Language
German
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Umschau. 365 und Rinteln verschafften. Er wurde in dieser Eigenschaft die rechte Hand Liebermanns von Sonnenberg und galt schließlich als „Kronprinz der Antisemiten.^ Der Wahlkreis Rinteln-Hofgeismar, der nun srei geworden ist, ist seit 1890 antisemitischer Besitz, aber namentlich von den Liberalen werden große Anstrengungen gemacht, diesen ihnen streitig zu machen. 1903 haben Reventlow 6426, ein Sozialdemokrat 3488, ein Nationalliberaler 2154, ein Freisinniger 748, ein Zentrumsmann 542 Stimmen erhalten. In der Stichwahl siegte Reventlow mit 9543 gegen 4030 Stimmen. Das Wahlergebnis zeigt, daß bei einem gemeinsamen Vorgehen der Liberalen der Kreis dem Antisemitismus entrissen werden kann, zumal die Antisemiten in diesem Wahlkreise gespalten sind, die Reformpartei den Privatmann Helmerich-Kassel, die deutschsoziale Partei aber den Bürgermeister Herzog in Obernkirchen als ihren Kandidaten ausgerufen hat, der sich nach einem Bericht der „National-Zeitung" starker Protektion durch den Landrat v. Ditfurth erfreut. Das von der Reformpartei gegründete Organ für Hessen, die „Hessische Rundschau", hat in ihrem Nachruf für den Grafen Reventlow heftige Angriffe gegen die deutsch-soziale „Bruderpartei" eingeflochten, die dem Verstorbenen „niedrige" Agitationsdienste zugemutet habe. Zum Schluß hieß es dann: „Ein Reventlow unter dieser Gesellschaft nüchterner Prädikanten, zweifelhafter Puritaner und kondottierihaster Parteiführer — ein merkwürdiges Wechselspiel des Lebens und doch ein nur zu erklärlicher Vorgang." Man darf einigermaßen neugierig sein, was Herr Liebermann v. Sonnenberg auf das boshafte Beiwort: „kondottierihafter Parteiführer" antworten wird. Dem deutsch-sozialen Abg. Amtsrichter Lattmann, der die meiste Anwartschaft hatte, in seiner Partei an Stelle Reoentlows eine führende Rolle zu spielen, treten die Reformer bei jeder Gelegenheit feindselig entgegen. In einer Versammlung zu Wolfsanger rügte der Schuhmachermeister Scholl, daß Herr Lattmann gegen die Reichsvermögenssteuer gestimmt habe, was nicht von Handwerksfreundlichkeit, sondern eher von einer Unterstützung des Großkapitals zeuge. Ferner habe er im Falle der Monopolfirma Tippelskirch nicht die Handwerker in Schutz genommen, trotzdem die Firma für Reitstiefel nur 18 Mk. bezahlt und 29,30 Mk. erhalten hat.

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