Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 363 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau 363 Unterrichtsminister bei seinem Eintreten für die KonfessionZschulen die Aeußerung machte, er wundere sich darüber, daß sich der Abg. Cassel den Kopf über die christliche konfessionelle Volksschule zerbreche, gab dem dadurch verletzten Volksvertreter Veranlassung zu der nachstehenden, von den freisinnigen Abgeordneten mit lebhaftem Beifall begleiteten Erklärung: „Meine Herren, ich habe schon bei einer anderen Gelegenheit gezeigt, daß ich nicht Zu denen gehöre, welche irgendwie daran denken, ihren Glauben Zu verleugnen, sondern vielmehr zu denen, die mit Stolz und Freude sich Zu ihm bekennen. Der Herr Minister hat aber, wenn er das sagte, offenbar in seinem Kopfe nicht recht die Bestimmungen der Verfassung bedacht; denn nach der Verfassung bin ich ein Abgeordneter des gesamten preußischen Volkes, habe das Recht, mich nach allen Richtungen hin um die Interessen des preußischen Volkes zu kümmern, und werde mir dieses Recht auch durch die Angriffe des Herrn Ministers in keiner Weise jemals rauben oder schmälern lassen/' Herr Minister I>r. Studt nahm später die Gelegenheit wahr, zu erklären: „Ich nehme gern Veranlassung, dem Abgeordneten Cassel gegenüber zu erklären, daß ich bei meiner Andeutung über die christlich-konfessionellen Volksschulen nicht im entferntesten an seine Zugehörigkeit zu der jüdischen Religionsgemeinschaft gedacht und bedaure, daß der Abgeordnete durch die Fassung meiner Bemerkung zu einer derartigen Auffassung hat kommen können." Wenn nicht angenommen werden soll, daß der preußische Kultusminister bei jener Aeußerung eine antisemitische Anwandlung gehabt habe, so ist doch herzlich zu wünschen, daß die Vertreter der Regierung alles vermeiden, was auch nur den Schein erweckt, daß sie sich dem kaudinischen Joch des Antisemitismus beugen, noch herzlicher aber, daß die Mehrheit des preußischen Volkes bei künftigen Landtagswahlen sich derartig beteiligt, daß das preußische Abgeordnetenhaus aufhört, für ähnliche Tonarten ein Resonanzboden zu sein und rückschrittliche Gesetzvorlagen zu ermöglichen. Wenn die Vertreter der Regierung sich nicht von der schwächlichen Rücksichtnahme auf künstlich erzeugte und sicher nur vorübergehende Strömungen im Volksleben lossagen können, stärkt dies nur die Dreistigkeit der Führer der antisemitischen Partei ihnen gegenüber, die infolge ihrer