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Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 359

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-06-01
Page
359 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Umschau. 359 konservative Mehrheit des Abgeordnetenhauses und ihren antisemitischen Anhang bei möglichst guter Laune zu erhalten. Aus das Zentrum konnten solche Aeußerungen keinen angenehmen Eindruck machen; die Organe dieser Partei haben auch die Art der Rechtfertigung der Rnsseuausweisungen einer scharfen Kritik unterzogen und insbesondere die Aussätle gegen die Presse als wenig glücklich bezeichnet. So schreibt die katholische „Köln. Volkszeitung"": „Das klingt ja sehr sorsch und pyramidal schneidig; es steckt aber bitterwenig dahinter. Wo es gilt, die öffentliche Meinung zu gewinnen, und zwar nicht bloß eine „sogenannte"" öffentliche Meinung, sondern die Zustimmung der weitesten Volkskreise, da weiß die Regierung die Presse sehr gut zu finden, und die seudalsten Herren von der konservativen Partei wissen es auch/" Aber nicht nur in den Aeußerungen der nichtkonservativen Presse, sondern im Abgeordnetenhause selbst bekundete sich durch mehrere liberale Redner eine tiefe Unzufriedenheit über die Unzulänglichkeit der Rechtfertigungen der Ausweisungen. Hatte der Abg. Traeger in der einstündigen Begründung der Interpellation in durchaus maßvoller Weise auf das Unwürdige derwahl- und skrupellosen Ausweisungen hingewiesen, so brachte es später der Abgeordnete Broemel von der „Freisinnigen Vereinigung"" nach der Scharfmacherrede des Abg. v. Brandenstein in energischer Weife zum Ausdruck, daß die aufdisziplinarischemWege erfolgten Feststellungen des Ministers ihn keineswegs befriedigen könnten. Der Abg. Gyßling von der „Freisinnigen Bolkspartei"", der ebenfalls erklärte, die gegebene Aufklärung sei ungenügend, ironisierte dabei die „Herrenhausrede"" des Abg. v. Brandenstein in schlagender Weise. Bei der Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses konnte es natürlich nicht fehlen, daß dort diese Stimmen nahezu ungehört verhallten, aber sicher haben sie ein Echo außerhalb des Hauses gefunden und werden mit dazu beitragen, daß die„öffentliche Meinung"" sich schließlich auch in dieser Frage Geltung verschaffen und sich nicht nur als „ein wirres Geräusch"", sondern als der frische Luftzug erweisen wird, der die Bretter auseinandertreibt, mit denen man die Massen vernageln möchte. Wenn ts ein wohlberechneter Schachzug der konservativen Politiker war, die Ausweisungssrage nicht im Reichstage, sondern im preußischen Abgeordnetenhause zumAustragezu bringen, so war es von gegnerischer Seite nicht minder richtig berechnet,

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