Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Karl Schurz über Juden und Judentum
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 346 (sequence 4)
- Language
- German
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316 Im deutschen Reich. geschlechtes! Als der hundertste Geburtstag Montefiores herannahte, vereinigten sich allüberall die Besten seiner Religionsgenosfen Zu der Beratung, wie sie den bedeutsamen Tag auf das Würdigste begehen sollten. Dies geschah auch hier, und wahrlich, es war der Geist Sir Moses', der die Beschlüsse unserer jüdischen Mitbürger eingab: nicht einer von ihnen dachte daran, diesen ehrwürdigen Patriarchen durch ein Denkmal von Erz und Stein Zu ehren und so die Person oder vielleicht mit ihr den Stamm Zu verherrlichen, einhellig waren sie der Ansicht, daß dieser Menschenfreund nur durch eine in seinem Geiste vollzogene Wohltat an der leidenden Menschheit geehrt werden könne. Deshalb unternahmen sie ein Werk der Barmherzigkeit und Milde, das keinen würdigeren, schöneren Namen zu tragen vermag, als den: „Montefiore-Heim". (Redner schilderte nun das schreckliche Los der an unheilbaren Leiden Erkrankten und fuhr fort): „Ehre den wackeren Männern und Frauen, die so Herrliches vollbrachten und sich Zusammengetan, um Herrliches zu vollbringen. Sie ehren das Gemeinwesen, das sie sein eigen nennt, denn jedes Gemeinwesen wird geehrt durch Bürger, welche eine so hohe Auffassung von ihren Pflichten gegen die Menschheit haben. Und wer sind diese Bürger? Sie sind Juden. Es ist dies nicht das einzige Denkmal, das die Juden New-Aorks ihrer Wohltätigkeit und ihrem Gemeinsinn gesetzt haben. Wohl mögen andere an Pracht und Größe dieses Denkmal übertreffen, aber keines, keines ihrer eigenen, keines der von anderen Bürgerklassen errichteten gleicht ihm in der Herrlichkeit der Empfindungen, die es geschaffen. Wem soll es Zugute kommen? Hören Sie die edlen Worte des Vorsitzenden im letzten Jahresberichte: „Als Juden sind wir durch Verhältnisse und Neigung gedrängt, für die Bedürfnisse des eigenen Glaubens zu sorgen, aber das darf uns nicht verleiten, ein Menschenwesen um seines Bekenntnisses willen von der Wohltat einer Anstalt auszuschließen, die der Milderung körperlichen Leidens gewidmet ist." Also für die Brüdergemeinde der Menschheit ist es geschaffen. Das' ist der wahre Geist, würdig des Mannes, dessen Name das Gebäude trägt, derselbe Geist, der mehr als irgend ein anderer, die stolZesten, lautersten Ruhmestaten unserer großen amerikanischen Republik geschaffen hat. In unseren Schultagen lesen wir von jener edlen Römerin Cornelia, welche, als andere vornehme Frauen mit ihren Schreinen voll Perlen und kostbaren Ge-