Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-05-01
- Page
- 323 (sequence 13)
- Language
- German
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Umschau. 323 insolange die Bevölkerung Wiens sich nicht aufrafft. Es muß Stellung genommen und einmal in einer nicht mißzuverstehendm Weise gesagt werden, daß es höchste Zeit ist, daß in maßgebenden Kreisen ein Personenwechsel stattfindet. Man spricht jetzt schon von der Konfiskation der Kirchengüter. In Frankreich wird sie schon durchgesührt. Warum kommt man nicht zur Konfiskation der Judengüter? Wir brauchen nicht die vielen Juden unter uns, die sollen dort bleiben, wo sie waren." Der Redner forderte zum Schluffe Zu reger Beteiligung an den Gemeinderatswahlen auf, da noch mehr antisemitische Stimmen abgegeben werden müssen, als bei früheren Wahlen, damit feigen Elementen in Negierungskreisen gezeigt werde, auf welcher Seite die christliche Bevölkerung stehe. Das antisemitische Wiener „Deutsche Volksblatt" bezeichnet übrigens den glänzenden Erfolg der Unabhängigkeitspartei bei den Wahlen in Ungarn ohne weiteres als „den Sieg der Juden" und knüpft daran die Hoffnung, daß es schließlich doch dem ungarischen Antisemitenführer Grafen Robert Zelenskp gelingen werde, den „vielfach unter der Decke schlummernden Brand des Haffes gegen die Juden in lodernde Flammen emporschlagen zu lassen". „Den Sieg der unter dem Diktat des Judentums sich beugenden Koffuth-Partei", schreibt das menschenfreundliche Blatt, „begrüßen wir als eine wichtige Station auf dem Wege zur Schaffung des großen Staatenbundes, den auch Bürgermeister Dr Lueger als das Endziel unserer politischen Entwicklung bezeichnete." Das Blatt irrt sich bezüglich dieses Endzieles, denn weit mächtiger als der Haß ist. doch jene Liebe, die den Antisemiten aller Länder völlig fremd ist. Es gehört der unverwüstliche Optimismus der Juden dazu, an den endlichen Sieg der Menschenliebe zu glauben, wenn man die Ereignisse verfolgt, die sich im Osten Europas förmlich drängen. Der Rücktritt des Grafen Witte bezeichnet aller Wahrscheinlichkeit nach den Verlust der letzten Aussicht auf eine Versöhnung der russischen Regierungspolitik mit dem russischen Volke und auf Rückkehr zu ruhigen und geordneten Zuständen. Der Nachfolger Wittes, Goremkpn, gilt als eine nicht unversöhnliche, aber unbedeutende Persönlichkeit, die nach außen hin das Zarentum nicht kompromittiert und nach innen