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Im deutschen Reich · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. 322

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-05-01
Page
322 (sequence 12)
Language
German
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322 Im deutschen Reich. und dies nur nicht sofort getan Zu haben, weil der Präsident es nicht gestattet haben würde. Wenn eine Regierung den rückschrittlichen Elementen nachgibt, so wird sie nicht nur nie aus den Verlegenheiten herauskommen, sondern für diese stets gerade von denen dafür verantwortlich gemacht werden, die ihr diese Widerwärtigkeiten bereitet haben. Die staatsmännischen Leiter der österreichisch-ungarischen Monarchie haben den unter dem christlich-sozialen Banner stehenden Zahlreichen österreichischen Antisemiten beständig nachgegeben, aber dafür geringen Dank geerntet. Der österreichische Ministerpräsident Freiherr von Gautsch ist schließlich wegen des Widerspruchs der Polen gegen die Wahlresorm zu Fäll gekommen; an seine Stelle trat der bisherige Statthalter von Triest, Prinz Konrad Hohenlohe, der übrigens auch als Anhänger des allgemeinen Wahlrechts gilt. Dem abgetanen österreichischen Staatsmann widmet die bekannte antisemitische Münchener Zeitschrift „Das Bayerische Vaterland" einen Nachruf, in dem es heißt: „So begrüßenswert auch der Abgang des Frhrnv. Gautsch im Interesse der Monarchie ist, so bedauerlich ist es aber auch, daß er unter Umständen erfolgte, die einer neuerlichen Kapitulation der Krone und der staatlichen Autorität vor der Gasse verteufelt ähnlich sehen." Gegen den Kotau vor dem Antisemitismus der Wiener Gassen hatte das ultramontane Blatt nie etwas einzuwenden, sicher auch nicht gegen den, der sich in der letzten Aprilwoche im Brauhaussaale des Wiener Hotels Fuchs kundgab, als der Reichsratsabgeordnete Ernest Schneider über den „neuen Kurs in Ungarn und die Juden" lamentierte. Er sagte: „Die Zustände in Ungarn treiben zur Revolution. Die Bauern und nichtmagyarischen Nationen können sich das nicht mehr gefallen lassen. Um die öffentliche Aufmerksamkeit abzulenken, ist der Kampf mit der Krone herbeigeführt worden. Wenn man in gewissen regierungsfreundlichen und regierungsuntertänigen Blättern davon spricht, daß die Krone nicht kapituliert hat, so fälscht man die Situation absichtlich, denn die Krone hat tatsächlich kapituliert vor Kossuth, Polonyi und Apponyi. Der ganze Zug ist einfach von der Regierung und den ihr zur Verfügung stehenden Großkapitalisten gezahlt worden. Es wird nicht anders werden.

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