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Im deutschen Reich · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. 317

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-05-01
Page
317 (sequence 7)
Language
German
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Vorschau. 317 ministeriellen Vorschriften in einem Berliner Vorort vorgekommen sein möchten, Korrektur finden sollen. Die Vertreter der Hilfsorganisationen, die prinzipiell eine Aenderung des ganzen Vorgehens dringend erbeten halten, sprachen die Hoffnung aus, daß die Handhabung der ministeriellen Vorschriften gemäß den Intentionen des Ministers vom Geiste des Wohlwollens getragen sein möchten. Zu dieser Hoffnung berechtigt der Verlauf der zwei Tage später stattgehabten Reichstagsoerhandlungen und deren Beurteilung in allen Kreisen, die nicht dmch den Umstand, daß die Juden infolge der erlittenen Mißhandlungen zu den ruffischen Flüchtlingen das größere Kontingent stellen, von Judenhaß verblendet sind. In der vordersten Reihe der Blätter, die jene judenfeindlichen Kreise vertreten, die diese Verblendung um jeden Preis aufrecht zu erhalten streben, steht die agrarische „Deutsche Tageszeitung", die ein Aergernis daran nimmt, daß die Handelskammer zu Berlin den Beschluß gefaßt hat, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß bei den Ausweisungen, die nicht aus politischen Rücksichten als notwendig angesehen werden, Rücksicht auf die gefährdeten Interessen von Handel und Industrie genommen werden möge. Dazu sagt das Organ der Agrarier: „Im Grunde genommen geht die Ausweisung der Russen die Handelskammer nichts an. Sie ist aber so klug gewesen, ihren Beschluß damit zu begründen, daß durch die Ausweisungen die Interessen von Handel und Jndunrie gefährdet würden. Wir können uns nicht denken, daß berechtigte und schwerwiegende Interessen der Industrie und des Handels tatsächlich gefährdet werden. Aber auch wenn das der Fall fein sollte, so würden diese Interessen nicht in Betracht kommen körmen, falls andere erheblichere Interessen, die auf einem andern Gebiete liegen, die Ausweisungen für nötig erachten ließen." Die „Deutsche Tageszeitung" meint unverkennbar die Interessen der Antisemiten und die Fortdauer des unnötigen Respekts vor den „Imponderabilien"! Der Minister des Innern hat aus die erwähnte Eingabe folgenden Bescheid erteilt: „Der Handelskammer erwidereich aus das gefällige Schreiben vom 28. April d. I. ergebenst, daß Ausweisungen russischer Staatsangehörigen nur insoweit erfolgen, als staatliche Interessen solche erfordern. Es ist angeordnet, daß jeder einzelne Fall unter diesem Ge-

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