Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-05-01
- Page
- 315 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 315 früher mit am Steuerruder standen. Herr Amtsrichter LaLLmann begründete die Notwendigkeit dieses Hinauswurfs damit, daß die liberalen Zeitungen ihn wegen seiner Beschönigung der Massenausweisungen voraussichtlich als einen wüsten Antisemiten erklären würden, was er keineswegs sei; er fügte aber hinzu: „Wer jedoch mit sittlichem Ernst die Frage prüft, kann die Gefahr der Juden nicht verkennen!" Er hält also anscheinend nicht nur die russischen Juden für eine Gefahr und hat bei seinen Wahlagitationen hinreichend gezeigt, daß er auch den deutschen Juden nicht vorurteilslos gegenüber steht. Das aber könnte Leute, die gewöhnt sind, ernste Fr agen mit sittlichem Ernst zu prüfen, hinreichend zum Nachdenken darüber veranlassen, ob ein mitten im politischen Kampf stehender, offenbar nicht vorurteilsfreier Mann sich zum Richter eignet, ob insbesondere in Verhandlungen, in denen Juden Zeugen oder Angeklagte sind, ihm vollständige Unbefangenheit zuzutrauen sei. Während der Abg. Lattmann wenigstens indirekt alle Juden als gefährlich hinstellte, hielt es der in der Manier den Abg. Liebermann von Sonnenberg kopierende konservative Abg. v. Oldeuburg-Januschau doch für angezeigt, inmitten sonst ziemlich roher Ausführungen, die geradezu auf die Aufforderung: „Juden raus!" hinausliefen, sogenannte' „anständige", d. h. wohl nach seiner Meinung anständigeJudenauszunehmen. Ob dieBehauptung des „Vorwärts" begründet ist, daß die burleske Art, wie Herr v. Oldenburg nach den sensationellen Enthüllungen Bebels alle Polizeitaten verteidigte, „selbst in den Reihen seiner Junkergenossen Unbehagen erweckte", mag dahingestellt bleiben. Unmöglich wäre es nicht. Daß er aber zur Rechtfertigung seines Auftretens für die Härten der Ausweisungsmaßregeln die Erklärung abgab: „Und da ich ein Christ bin, wie Herr Bebel wir vorhin zugerufen hat, deswegen bin ich ein Feind davon, daß derartiger Unfug in Preußen geduldet wird", dürfte milder denkende Christen doch befremdet haben. Uns wenigstens würde es entschieden empören, wenn jemand sein Judentum mit einer Sache inVerbindung brächte, die das Gegenteil von menschenfreundlicher Gesinnung ist. Ganz abgesehen davon, wie man sich politisch zu dem Abg. Bebel stellt, muß man es als eine Pflicht der Gerechtigkeit ansehen, anzuerkennen, daß er die mit dem Hinweis auf die Selbständigkeit