Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland
- Date
- 1906-05-01
- Page
- 295 (sequence 17)
- Language
- German
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Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland. 295 Es wußte ein christliches Mäntelchen umgehängt werden, sonst kam das Komitee nicht zustande. Und welcher Art war dieses Komitee? Kein Vorsitzender zeichnete für das Komitee, kein Vorstand — wie sonst bei Deutschen notwendig und in Berlin stets üblich — wurde konstituiert. Die Sammelstellen vorauf, und dann die Namen der Zeichner nach dem Alphabet. Und das Resultat? Von 20 000 Mk. sind 5000 Mk. unkontrollierbar, weil sie durch Theater-, Konzert- und dgl. Vorstellungen, Zeitungs- oder Kollektivsammlungen Zusammenkamen, von dem Reste von 15 000 Mk. waren 8600 Mk. von Juden und 6400 Mk. von Christen gezeichnet. Und während so für jeden, der sehen wollte, klar und deutlich in die Erscheinung trat, daß die christliche Bevölkerung insbesondere Berlins und Preußens sich zurückhielt, weil nur Juden in Frage kamen, entstand plötzlich ein großes Komitee für die notleidenden Deutschen Rußlands. Hier 10 000 getötete, 10 000 verwundete und 100000 beraubte Juden, dort eine deutsche Bevölkerung von im ganzen 180000, darunter 14000 Reichsdeutsche. Getötet und verwundet noch nicht 200. Von den Reichsdeutschen im Ganzen 2000, die ihren Wohnsitz verlassen mußten, mährend alle übrigen ungestört weiter bleiben konnten. Hier eine Sammlung für Juden, dort eine Sammlung — man beachte den Gegensatz — nur für die Deutschen. Die erste Sammlung im Reichstage und in gewissen Zeitungen verhöhnt und herabgesetzt, die zweite Sammlung laut austrompetet und in allen Zeitungen (in allen, ohne Ausnahme) für etwas besonders Notwendiges und Segensreiches gepriesen. Ist das nicht ein Zeichen der Zeit? Ist das nicht für uns Juden ein besonders beachtenswertes Ereignis, das ein Schlaglicht wirft auf die Anschauungen der christlichen Bevölkerung Berlins und eines großen Teiles von Deutschland? Und dabei weiß man ganz genau auf christlicher Seite, daß man in Wohltätigkeitsfragen nicht ohne die Opserfreudigkeit der Juden auskommen kann. Um die gleiche Zeit, zu der man für die Juden nichts Lut, scheut man sich gar nicht, dieselben Juden um Hilfe zu rufen, wo Geld notwendig ist. Da wird die Errichtung einer Musteranstalt zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit erstrebt. Das Protektorat übernimmt Ihre Majestät die Kaiserin. Den Vorsitz übernimmt der Staatsmiuister a> D. Schönstedt. Herr Schönstedt zieht Juden zu.