Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland
- Date
- 1906-05-01
- Page
- 292 (sequence 14)
- Language
- German
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292 Zm deutschen Reich. Schwäche eine größere Anzahl jüdischer Anwälte bei der Abstimmung auf ihre Seite hinüberzuziehen, namentlich solche, die es für einen besonderen Vorzug erachten, lieber mit Christen als mit Juden gesehen zu werden. Und hier sind wir an dem Punkte angelangt, der zu besprechen unbedingt notwendig ist, wenn von der gesellschaftlichen Stellung der Juden die Rede ist. Es mag manchem eine offene Aussprache unbequem sein, es mag manchem erscheinen, als ob es unzweckmäßig wäre, gerade in Zeiten des Kampfes die eigenen Gefährten zu tadeln. Es ist aber eine alte Erfahrung, daß eine Blase nur geheilt werden kann, wenn sie geöffnet wird, daß ein Schaden nur beseitigt werden kann, wenn er aufgedeckt wird. Nicht bloß unter den Rechtsanwälten jüdischen Glaubens, sondern unter den Juden aller Berufsklassen, insbesondere aber denen der reicheren oder höhergestellten Klassen, tritt eine Anzahl von Personen in den Vordergrund, die unter allen Umständen lieber zur christlichen Gesellschaft Hinneigen als zur jüdischen. Es ist wahr, wir Juden sollen am wenigsten uns darauf versteifen, ausschließlich dem jüdischen Gesellschaftsleben nachzugehen. Wir sollen den vernünftigen Ausgleich suchen, wir sollen dahin streben, auch unsererseits alles zu Lun, was die Aufnahme in die Gesellschaft fördert. Aber wir sollen nicht ausschließlich alles, was von der anderen Seite kommt, für richtig finden, wir sollen nicht beschönigen und verdecken, was von christlicher Seite zu unserw Schaden geschieht, wir sollen vor allen Dingen in Zeiten des Kampfes nicht auf judenseindlicher Seite stehen. Das aber Lut eine Anzahl unserer Glaubensgenossen. Es sind dies dieselben, die sich von den Verwaltungen der jüdischen Gemeinden und von den Bestrebungen jüdischer Vereinigungen fern halten, die aber unter allen Aufrufen zu sehen sind, die von christlicher Seite ausgehen, am liebsten wenn ein Fürst, ein Graf oder auch nur ein ganz gewöhnlicher Geheimrat an der Spitze steht. Einer dieser christlichen Herren soll es unlängst ganz öffentlich ausgesprochen haben: wir können sie treten, soviel wir wollen; wenn sie ihre Namen zusammen mit den unserigen veröffentlichen können, dann reißen sie sich darum. Man wird einwenden, daß es um die Juden, „die sich daran: reißen", nicht schade ist. Ja, um sie ist es nicht schade, aber sie schaden der Allgemeinheit. Fern von allen jüdischen