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Im deutschen Reich · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. 283

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland
Date
1906-05-01
Page
283 (sequence 5)
Language
German
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Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland. 283 Zuneigung nur der einen Kategorie von Studentenvereinen zuwenden und in der Oeffentlichkeit nur an den Unternehmungen dieser Vereine Leilnehmen. Und wie die Studenten, so macht es gar mancher von den Professoren. Man schaue sich um an den Universitäten und prüfe nach, wie die Auswahl der Assistenten erfolgt. Nur wenige Professoren werden es öffentlich nussprechen, daß sie die Hilfe jüngerer jüdischer Gelehrten nicht mögen. Aber bei der Anstellung der Assistenten zeigt sich dann, daß ganz zufällig der Unterschied dennoch gemacht wird. Unter vier Augen läßt man nur „Tüchtigkeit", ja nur „Charakter" gelten, man betätigt diese treffliche Gesinnung aber dann leider oft damit, daß man bei der Anstellung noch andere Anforderungen stellt. Glücklicherweise gibt es ja noch heut in Deutschland Professoren, auf welche dieser Vorwurf nicht zutrifft, und schon vor längerer Zeit hat Dubois Reymond einmal einem Bericht, in dem er der Fakultät die „erfreuliche Anzeige" machte, daß ein bestimmter Dozent zum christlichen Glauben übergetreten, ironisch hinzugefügt: „Und was die Fakultät besonders erfreuen wird, der Herr ist mit seiner ganzen Familie, mit Frau und Kindern übergetreten." Es werden aber heut nicht mehr viele christliche Professoren anzurreffen fein, in deren Nachlaß sich, wie dereinst in dem Humboldts, eine Denkmünze auf Moses Mendelssohn vorfindet. Bilden so Schule und Universität den Untergrund für die den Juden feindlichen Bestrebungen in der Gesellschaft, so ist es nicht wunderbar, daß im gewerblichen und geschäftlichen Leben die Stellung der Juden gegen früher sich erheblich, verschlechtert hat. Zwar der Arbeiter ist nicht judenfeindlich. Er, der sich mühsam sein täglich Brot erkämpfen muß, sieht in dem jüdischen Arbeiter nur den Genossen, der in gleichem Kampfe sich abplagt. Man lasse sich nicht dadurch beirren, daß auch Arbeiter die antisemitischen Radauversammlungen besuchen, daß ab und zu einmal in der Kneipe ein Jude von Arbeitern geneckt und verhöhnt wird. Auf den Arbeitsplätzen und auf ihren Erholungsstätten kennt der Arbeiter in Deutschland kaum einen Unterschied im Glaubensbekenntnis. Christ und Jude hausen da friedlich und ohne Gehässigkeit nebeneinander. Nur wo konfessionelle Arbeitervereine bestehen und gezüchtet werden, da stellt sich allmählich auch der Gegensatz im Glaubensbekenntnis ein.

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