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Im deutschen Reich · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. 282

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland
Date
1906-05-01
Page
282 (sequence 4)
Language
German
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282 Im deutschen Reich. von den Schülern oberer Klassen Sportvereine, Ruderklubs und dergl. gebildet und bei gar manchen derselben mit voller Absicht die jüdischen Mitschüler ausgeschlossen. Da werden von privaten Mädchenschulen jüdische Mädchen vollständig ferngehalten oder doch nur dann Zugelassen, wenn eine Schwesterschön früher — als man noch nicht den Glaubensunterschied machte — Schülerin der Schule gewesen. Da werden Konversattonszirkel, gemeinsame Turn- und Tanzstunden errichtet und die Teilnahme so geregelt, daß jüdische Schüler und Schülerinnen nicht zugelassen sind. Es wird nicht mehr heppheppl geschrieen, und die Kinder gebrauchen nur ganz ausnahmsweise das Wort „Judenjunge" oder „Judenmädel" als Schimpfwort; stillschweigend und unauffällig werden jene Veranstaltungen von Lehrern und Lehrerinnen mit Zustimmung oder auf Veranlassung der christlichen Eltern so eingerichtet, daß jüdische Kinder nicht daran teilnehmen. Und wie bei den Kindern, so bei den Erwachsenen. Ueberall wird der Glaubensunterschied in den Vordergrund gestellt und überall bemüht man sich, die Juden fernzuhalten. ..Tsolez le juif", rief im Jahre 1879 in etwas Zweifelhaftem Französisch ein teutscher Judenhasser schlimmster Sorte, und seinem Ruf ist vielfach Folge geleistet worden. Die Geschichte der Korps und Burschenschaften an den U niversitäten ist geschrieben. Als Ludwig Bamberger studierte, waren bei den Korps Juden Senioren, „das damals — wie heute — kindliche Treiben war noch frei von Gift". Als Berthold Auerbach die Universität bezog, kannte man „durchaus keinen Unterschied zwischen Jude und Christ. Der Sohn meines Hausherrn .... (schreibt Auerbach) .... kennt das Wort Jude nicht." Und heute? Aus der Zahl der „alten Herren" hat man die Juden „leider" nicht ausstoßen können, jüdische Füchse oder Burschen aber läßt man nicht zu. Tie Folge war die Errichtung von Verbindungen jüdischer Studenten und eines Verbandes von Korporationen der deutschen Studenten jüdischen Glaubens. Die weitere Folge ist der Kampf beider Arten akademischer Vereine gegeneinander, sehr zum Schaden der Allgemeinheit. Der Kampf aber wird geschürt und die Gegensätze werden verstärkt, wenn hohe und höchste Personen und Vertreter von Staatsbehörden ihre freundliche

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