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Im deutschen Reich · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. 281

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland
Date
1906-05-01
Page
281 (sequence 3)
Language
German
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Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland. 281 für Freiheit und Ehre des Vaterlandes eingetreten waren, als die Einheit errungen war und es nun darauf ankam, die Freiheit Zu erkämpfen, da mußte der Glaubenshaß schweigen und die Aufnahme der Juden in die Gesellschaft schien vollzogen. Schien vollzogen; denn in Wirklichkeit schwieg der Hader nur wenige Jahre. In seinen Vorläufern schon 1876, demnächst aber von 1879 an, setzte die sogenannte antisemitische Bewegung ein, und nun begann von neuem sich die Sucht breit zu machen, die Juden überall von der christlichen Gesellschaft fernzuhalten und aus den Positionen, die sie bereits erobert hatten, wieder Zu verdrängen. Wie weit dies den Gegnern gelungen ist, ergibt die heutige gesellschaftliche Lage der Juden in Deutschland. Zwar wird hierbei der gesellige Verkehr außer Betracht bleiben müssen. Seinen Umgang wählt sich jeder Mensch für sich, und jede Familie, ja jedes" einzelne Mitglied einer Familie wird sich nach eigenem Geschmack entscheiden, mit wem es Geselligkeit pflegen will. Bedauerlich mag es ja sein, daß ein innigerer Verkehr Zwischen jüdischen und christlichen Familien, wie in unserer Jugend heute nur ausnahmsweise noch besteht. Gleich nach den Kriegen gab es auch in dieser Beziehung keinen Unterschied, die Familien jeden Bekenntnisses verkehrten ohne jeden Unterschied im Haufe und in der Oeffentlichkeit mit einander, die Männer tauschten ihre Kriegsersahrungen, die Frauen ihre Sorgen während des Krieges, ihre Erlebnisse bei der Mühewaltung für Verwundete und Kranke aus. Und wenn dies sehr bald wieder aufhörte, so mag das gar mancher bedauerlich finden, und manchen Aelteren von uns mag es schmerzen, seine intimsten Jugendfreunde aus seinem Verkehr verloren Zu haben; die Geselligkeit aber ist nur ein Ausfluß der gesellschaftlichen Stellung der einzelnen Gesellschaftsklassen und wird sich stets mit der Verbesserung oder Verschlechterung der gesellschaftlichen Stellung ändern. Daß sie heutzutage erheblich zurückgegangen ist, darf niemand wundern, der die heutige gesellschaftliche Stellung der Juden überblickt. Kein Alter und kein Geschlecht, kein Beruf und kein Amt, das nicht hiervon in Mitleidenschaft gezogen worden wäre. Schon in der Schule werden die Kinder gegeneinander aufgewiegelt, und nicht selten kommen gehässige Bemerkungen selbst aus dem Munde des Lehrers oder der Lehrerin. Daß manches christliche Kind einem solchen Lehrer ftmachahmt, liegt aus der Hand. Da werden in den Gymnasien

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