Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 247 (sequence 13)
- Language
- German
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Umschau. 247 gehörigen der israelitisch en Konfession bestehenden Herrenkleider-Detail-Konfektionare und Schuhwarenhändler das Recht zum Maßnehmen nicht mehr besitzen sollen. Wenn das österreichische Abgeordnetenhaus damit den „Imponderabilien" der christlich-sozialen Schneider ferner Rechnung trägt und das österreichische Justizministerium sich scheut, durch eine Wiederaufnahme des Polnaer Prozesses das wieder gut zu wachen, was durch die Massen-Suggestion der Ritualmordmärchen des Abg. Ernest Schneider verdorben worden ist — dann kann man sich nicht wundern, wenn in den Ländern diesseits der Leitha bei Streitfragen mit den kulturfreundlicheren Ungarn Oesterreich stets den kürzeren Zieht und selbst in militärischen Angelegenheiten gezwungen wird, sich dem Willen der Magyaren zu fügen. Nichts schadet dem Deutschtum so sehr, wie der die deutsch-nationale Flagge mißbrauchende, kulturwidrige Antisemitismus! So oft man geglaubt hat, die antisemitischen Instinkte des Pöbels gegen berechtigte freiheitliche Regungen benutzen zu können, hat man die Erfahrung gemacht, daß diese Zweischneidige Waffe den verletzt, der sie gebraucht. Wie weit man in Rnßland dies bereits erkannt hat, ist schwer Zu beurteilen, weil die Haltung der Regierungskreise als eine völlig widerspruchsvolle erscheint. Im russischen Ministerrat wurde Zwar erklärt, neue Ausschreitungen gegen die Juden seien nicht zu befürchten, da seitens der Regierung die erforderlichen Vorbeugungsmaßregeln getroffen seien, aber die behördlichen Organe haben meist nichts getan, um die massenhafte Verbreitung der schamlosesten Hetzschriften gegen die Juden zu verhindern, sondern solche Flugblätter, von denen eins der schlimmsten sogar in der „Druckerei der Statthalters in Odessa" hergestellt wurde, von der Zensur bestätigen lassen. Aus Odessa und Bjelostok wurde gemeldet, daß dort eine Bewegung zu gunsten von Unruhen im Gange, aus Minsk, daß ein im Bezirk Retschisk an fünf Juden begangener Mord lediglich zum Zwecke der Beraubung verübt worden fei. Auf beunruhigende Meldungen aus Rykowo, Klinzy, Homel und Qrcha soll von Petersburg ein dringender Befehl abgegangen sein, d -s Militär und die Polizei zu verstärken. Der Generalgouverneur von Kiew hat eine sehr energisch gehaltene Depesche vom Minister des Innern erhalten, keinesfalls jetzt