Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 248 (sequence 14)
- Language
- German
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248 Im deutschen Reich. Judenkrawalle Zuzulassen, da solche, wenn schon früher ungesetzlich, setzt aber gewiß nicht Zulässig und sehrschädlich für die allgemeine Politik wären. — „Das hätten Eure Sterne früher sagen sollen"! A. L. Dermnsrmcheichterr Äte am 20. März d. Js. in dem Oberlichtsaale der „Philharmonie" Zu Berlin abgehaltene allgemeine Central- Vereins-Bersammlung hatte ein so ungewöhnliches Interesse erweckt, daß der für tausend Personen Raum bietende Saal bereits abends 8V2 Uhr überfüllt war und geschlossen werden mußte. Die hochgespannten Erwartungen der überaus zahlreichen Zuhör rschaft wurden durch die geistvolle Art, in der Herr Oberstleutnant z. D. Paul Poch Hamm er das Thema „Dantes Göttliche Komödie, ein dichterisches Kunstwerk und eine religiös-sittliche Lösung des Lebensproblems", behandelte, vollständig erfüllt. Der Redner führte sich mit hm Versprechen ein, daß nichts ihm ferner liege als die Absicht, an irgend einer Ueberzeugung rütteln zu wollen; er erachte es vielmehr stets als geboten, aus der Verschiedenheit der Anschauungen heraus ein gegenseitiges Verstehen anzustreben. Das, was Männer wie Dante und Goethe nicht einer einzelnen Konfession, sondern der gesamten Menschheit geboten, dem Verständnis und der Empfindung der deutschen Mitbürger näher zu bringen, sei eine Aufgabe, der er sich feit mehreren Jahrzehnten in der Gewißheit widme, daß sie als eine vaterländische angesehen werden müsse. In Dantes Göttlicher Komödie seien Religion und Poesie so vollständig verschmolzen, daß es eine Ehrenpflicht sei, ein Werk von so ungeheurem Vildungswert der Vergessenheit zu entreißen. Sich an der Lösung dieser Kulturaufgabe zu beteiligen, feien die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens um so mehr berufen, als sie dem religiös-sittlichen Kunstwerk Dantes unbefangen gegenüber stehen, während die Bekenner des Christentums in zwei Parteien, in Katholiken und Protestanten geteilt, dasselbe wehr oder minder von ihrem besonderen konfessionellen Stand-