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Im deutschen Reich · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. 245

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-04-01
Page
245 (sequence 11)
Language
German
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Umschau. 245 Großväter väterlicher- oder mütterlich erseirs sich zum Judenrume bekannten und trotz dieser Abkunft in ihrer Tüchtigkeit in keiner Weise gegen Kameraden zurückstanden, deren Ahnen einst in den setzt als malerische Ruinen recht gern gesehenen Ritterbu'gen hausten. Der eigene Tauszettel oder der der Eltern, der längst den Eintritt in das Offizierkorps erleichterte, wird dazu nicht immer unerläßlich sein, nachdem man längst in den meisten andern Ländern mit dem Konfessionalismus im Heeresdienst gebrochen hat. Daß in den letzten Dezennien in der preußischen Armee glaubenstreue Juden höchst selten oder gar nicht mehr Reserveoffiziere wurden, entspricht den mittelalterlichen Anschauungen, von denen gewisse Kreise sich schwer, aber doch früher oder später freimachen werden, weil kein Stand davon Nutzen hat, wenn er solche fähigen Mitbewerber ausschließt, die ihm dringend nötig und erwünscht wären, wenn sie nicht Zufällig ein anderes Religionsbekenntnis hätten. Daß man in Bayern aufgeklärter ist als in Preußen, wird doch niemand ernstlich behaupten, also liegt es doch wohl nur darin, daß man in den leitenden militärischen Kreisen dort bemüht ist, wirklich zu leiten, statt zartfühlend gewissen „Sentiments" Rechnung zu tragen, die sofort sich verflüchtigen, wenn man sie grundsätzlich unbeachtet läßt. Zum Bezirkskommando Nürnberg gehören 190 Offiziere; davon sind, wenn wir wohl unterrichtet sind, bei der Infanterie 5 Hauptleute, 2 Oberleutnants und 5 Leutnants, bei dem Train 2 Rittmeister, 1 Oberleutnant und 3 Leutnants, bei der Kavallerie 1 Rittmeister, bei der Artillerie 1 Oberleutnant — Juden! Ein Kommentar hierzu erübrigt sich! Nur .nebenher mag erwähnt werden, daß sich die konfessionelle Exklusivität des Osfizierkorps nur in den deutschen Staaten geltend macht, deren Armeen unter preußischer Führung stehen. Vom Organ des Vereins zur Abwehr des Antiftmitismus wurde kürzlich aus Straßburg berichtet: „Das 8. Württembergische Infanterieregiment Nr. 126 stand bis März 1905 unter der Führung des Obersten von Löffler. Dieser Offizier beförderte seine jüdischen Einjährigen wie die übrigen nach Verdienst. Als dem antisemitischen Obersten von Gerok das Regiment Nr. 126 übertragen wurde, fand sich folgender schreckliche Zustand vor. Ein ehemaliger Einjähriger jüdischer Konfession hatte es bis zum Offiziersaspiranten und Vizefeldwebel d. R. gebracht, zwei andere ebenfalls zu Offiziersaspiranten und Unteroffizieren d. R., die

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