Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 242 (sequence 8)
- Language
- German
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242 Im deutschen Reich des „Hilfsvereins der deutschen Juden" mitteilt, erscheint es nicht hoffnungslos, daß in der Tat demnächst so verfahren werden wird. Die Voraussetzung für eine solche Verlängerung der Aufenthaltsberechtigung ist, daß die Auswanderer weder finanziell dem Staat und der Gemeinde Zur Last fallen, noch als Ausländer sich bei uns politisch betätigen. Bei Erwähnung dieser Tätigkeit des „Hilfsvereins der -deutschen Juden" hat die „Köln. Ztg." darauf hingewiesen, daß die bei der „Algeciras-Konferenz" auf Antrag des amerikanischen Vertreters White angenommene Resolution zugunsten der marokkanischen Juden auf eine Anregung des „Hilfsvereins der deutschen Juden" zurückzuführen sei, der sich bei verschiedenen Regierungen zugunsten seiner Glaubensgenossen verwandt und auch bei der deutschen Reichsregierung wohlwollendes Entgegenkommen gefunden habe. Eine Wendung zum besseren scheint sich in der Behandlung der sogenannten „Judenfrage" in den maßgebenden Kreisen doch zu vollziehen, wenn auch darauf keine großen Hoffnungen ZU setzen sind, solange nicht Zugleich den widerstrebenden Elementen klar gemacht wird, daß man entschlossen ist, das allgemeine Volkswohl nicht länger durch Rücksichten auf künstlich erzeugte Volksströmungen beeinträchtigen zu lassen. Am dringlichsten ist eine solche Entschiedenheit in der Ostmarken-Politik, die der Abg. Kindler von der freisinnigen Volkspartei am 28. März im preußischen Abgeordnetenhause scharf kritisierte, wobei er auch die Behandlung der in den Ostmarken wohnhaften deutschen und ausländischen Juden besprach und erklärte: „Der Antisemitismus, die Schmach des Jahrhunderts, grassiert bis in die höchsten Regierungskreise. Ein eingewanderter Deutscher aus Wien, der kein Wort polnisch konnte, wurde ausgewiesen. Wohlhabende jüdische Familien aus Rußland, die sicherlich niemandem Zur Last gefallen wären, mußten wenigstens die Provinzen Posen und Westpreußen auf Grund einer allgemeinen ministeriellen Verfügung verlassen, während sie in anderen Provinzen ruhig und unbehelligt leben durften. Ist das vielleicht der Dank an Rußland für Algeciras?" Selbst der Abg. von Zedlitz tadelte in derselben Sitzung das Verhalten der Verwaltung den Juden gegenüber und sagte: „Immerhin