Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 240 (sequence 6)
- Language
- German
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240 Im deutschen Reich. geführte Untersuchung den vorliegenden Verdacht, daß nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, nicht nur nicht entkräftet, sondern sogar bestärkt; jedenfalls ist aber durch die Untersuchung sestgestellt, daß die innere Geschäftsführung der Genossenschaft wenig von dem Zeigt, was man vom geordneten kaufmännischen Betrieb eines solchen Unternehmens erwartet." Die Lumulrarischen Vorgänge bei der letzten Reichstagsersatzwahl in Eisenach bildeten übrigens den Hintergrund einer ReichstagsdebatLe, die am 21. März von der deutschsozialen Partei sehr unvorsichtig durch einen Antrag auf Beschränkung der Versammlungsfreiheit veranlaßt wurde. Selbstverständlich hatten die Antisemiten ihren Antrag, dessen Ablehnung sich unschwer voraussehen ließ, nicht als das bezeichnet, was er eigentlich bezweckte, aber das Endziel des Antrages „durch Vermittelung des Reichsamtes des Innern Maßnahmen der Bundesregierungen herbeizuführen, wodurch die Versammlungsfreiheit wirksam vor gewaltsamen Störungen geschützt werde", konnte doch nichts anderes sein, als das Eingreifen der Polizei Zum Schutze antisemitischer Redeentgleisungen. Die antisemitischen Wortführer Liebermann von Sonnenberg, Friedrich Raab, Amtsrichter Lattmann, Wilhelm Schack, Di\ Burckhardt und Oswald Zunmermann bemühten sich vergebens, den Antrag durch die skrupellose Agitation ihrer Gegner und deren Erschwerung des Eisenacher Wahlkampfes zu rechtfertigen. Eine lange Reihe sozialdemokratischer Redner brachte nach und nach Fälle vor, in denen gerade die Antisemiten Versammlungen gewaltsam gestört hatten. Der sozialdemokratische Abg. Stücklen erklärte, durch ihren Antrag gingen die Antisemiten gegen sich selbst vor; seit sie im Königreich Sachsen zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken seien, hätten dort die wüsten Szenen in den Versammlungen ausgehört. Dies bekräftigte der sozialdemokratische -Abgeordnete Horn und meinte, so wie in Sachsen würde es den Antisemiten überall ergehen. Der Abg. Hoffmann-Berlin erzählte, in Spenge hätten die Antisemiten 2000 Steine in Taschentücher eingebunden, und der Pastor Jskraut hätte vom Fenster aus jedesmal, wenn ein Sozialdemokrat reden wollte, dies durch eine Anweisung zur Absingung patriotischer Lieder verhindert. Da auch die Genossen Baudert, Bernstein, Reißhaus, Schöpslin und Sindermann allerlei Erbauliches über ihre Er-