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Im deutschen Reich · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. 238

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-04-01
Page
238 (sequence 4)
Language
German
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23$ Im deutschen Reich. Wir bezweifeln, daß der neue Justizminister sich durch solche Drohungen wird einschüchtern lassen; eins ist gewiß, daß man an der Stelle, die bei der Wahrung der Rechte das letzte Wort spricht, das Fürchten nicht gelernt hat. Die Notwendigkeit, das allgemeine Vertrauen zur Rechtspflege aufrecht Zu erhalten und keinen Zweifel an ihr aufkommen zu lassen, ist in der letzten Zeit des Schönstedtschen Regiments von so verschiedenen Seiten betont worden, daß man säst glauben möchte, daß der nahezu vollständige Ausschluß ihrem Glauben treuer Juden von dem Richterstande diesen nicht vor Angriffen geschützt habe. Man wird kaum fehlgehen, wenn man die meisten dieser Angriffe aus die politische Betätigung einzelner Richter und ganz besonders auf die große Verschiedenheit der Strafabmessungen in einzelnen sensationellen Prozessen zurückführt, eine Verschiedenheit, die der einfache Mann des Volkes sich zu erklären völlig außerstande ist. Vor einigen Wochen hat, offenbar durch Erfahrungen belehrt, der Staats- und Justizminister Ewald in der hessischen Zweiten Kammer erklärt, die politisch - agitatorische Betätigung der Richter sei derartig bedenklich, daß sich die Richter in dieser Beziehung Zurückhaltung auferlegen möchten. Von den wenigen jüdischen Richtern hat sich in Deutschland noch kein einziger agitatorisch betätigt, wohl aber scheint dies innerhalb der judenfeindlichen Parteien vereinzelt in nicht ganz einwandsfreier Weise geschehen zu sein, wenn man der „Hessischen Rundschau" Glauben schenken darf. Dieses Antisemitenblatt schreibt in einer Auseinandersetzung mit dem Leiter des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, dem Abg. Schack: „Daß er den Versuch einer Berichtigung gemacht hat, sticht angenehm von dem Verhalten eines anderen deutsch-sozialen Abgeordneten ab, der einen schweren und erweislich wahren Vorwurf ruhig in der Hoffnung einsteckt, daß die Zeit über alles Gras wachsen läßt." Dazu bemerkt die „Freie Deutsche Presse": „Mit dem Zandern deutschsozialen Abgeordneten" meint die „Hess. Rundschau" den Abg. LaLtinarrn, dem sie schon wiederholt vorgeworfen hat, er habe wider besseres Wissen unter seinem Ehrenwort eine falsche Tatsache behauptet, ohne daß sich Herr Lattmann bis jetzt veranlaßt gesehen hat, dieser überaus schwerwiegenden Anschuldigung entgegenzutreten.

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