Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 237 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 237 an der Stelle, die Zunächst berufen ist, Hüterin des Rechts zu sein, unbekümmert um wechselnde, meistens künstlich erzeugte Strömungen im Volksleben, nach strengen Rechtsgrundsützen zu handeln. Wenn künftig außer im Ressort des Justizministeriums auch m dem der Verwaltung einflußreiche Stellungen nicht mehr durch die charakterlose Handlung eines Glaubenswechsels ohne Ueberzeugung, sondern nur durch Bekundung strenger Moralität und hoher geistiger Fähigkeiten zu erlangen sind, wird der preußische Staat davon mindestens denselben Nutzen haben wie das Judentum. Das wissen wir und deshalb konnte die ultramontan-antisemitische „Märkische Volkszeitung" ihren den Juden erteilten Rat sparen, „aus Klugheit von dieser Sache kein Aufhebens zu machen, weil schon die Gegner der Juden Lärm schlügen." Dies tun die Judenfeinde ohnehin, ohne daß über die Wendung gejubelt wird, und sie sind es, die dabei unklug verfahren. Haben sie doch sämtlich es für zutreffend erachtet, daß der verflossene „Jmponderabilien"-Justizmmister, als man ihm im Parlament sein ungerechtes Verfahren vorhielt, sich damit verteidigte, daß die Ernennung und Beförderung der Richter zu den unantastbaren Rechten der Krone gehöre, für die er infolge dieses Hinweises doch nur formell die Verantwortung übernehme, weil Handlungen des Monarchen der parlamentarischen Kritik nicht zu unterziehen sind. Und jetzt wagen es Blätter jener Parteien, die beständig das Monopol monarchischer Gesinnung für sich in Anspruch nehmen, im Gegensatz zu ihrer Haltung gegenüber der Praxis ihres früheren Lieblingswinisters, ein Kronrecht des Monarchen anzutasten, weil es einmal in einer ihrer Parteisache nicht förderlichen Weise ausgeübt wurde? Die „Deutsche Tageszeitung", das Organ der Großgrundbesitzer, für die die deutsche Reichsregierung so viel getan hat, daß ihr Zu tun fast nichts mehr übrig bleibt, versteigt sich tatsächlich zu der Drohung: „Wir warten ab, wie der neue Minister sich künftig in der Frage der jüdischen Richter verhalten wird. Sollte er andere Bahnen einfchlagen, als sein Vorgänger, und sollte er der drohenden Ueberflutung unseres Richterstandes mit jüdischen Anwärtern nicht genügend wehren, so würden wir unsere Bedenken mit der größten Schärfe und Entschiedenheit aussprechen/