Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 236 (sequence 2)
- Language
- German
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Jrn> deutschen Reich. 236 Der hundertste Teil der deutschen Bevölkerung stellt selbstverständlich nur eine kleine Minderheit dar, aber wenn eine halbe Million deutscher Männer und Frauen zu keinem anderen Zweck als zur Verteidigung von Recht und Gerechtigkeit, zur Wahrung von Ehre und Treue zusammenstehen, dann bilden sie eine Phalanx, die sich durch die Massen der Feinde Bahn brechen kann. Und das wird sie, ohne wahres Deutschtum zu verletzen, denn ihr Ziel ist kein eigennütziges, kein Erstreben von Sondervorteilen oder von veralteten Vorrechten, ihre Losung keine antinationale oder internationale, sondern eine volkstümlich deutsche. Wir haben sie mit Gabriel Rießer von Ulrich von Hutten erlernt und rufen den zum Treubruch verleitenden Judenfeinden seine Worte entgegen: Ich Hab's gewagt mit Sinnen Und trag des keine Reu', Man soll es doch erkennen, Noch lebt die deutsche Treu'! Wenn es wahr ist, daß das, was vielen als Zufall gilt, gerade aus den tiefsten Quellen steigt, dann muß es beachtlich erscheinen, daß an dem hundertsten Geburtstage Gabriel Rießers, der als Jude in Hamburg nicht die Advokatur, dann in Heidelberg und München nicht die Stellung eines Pewatdozemen erlangen konnte, im reiferen Mannesalter aber als Mitglied des Hamburger Obergerichts der erste deutsche Richter jüdischen Glaubens wurde, gerade die Beförderung von drei jüdischen Richtern in höhere Stellen bekannt wurde. Während unter dem Ministerium Schönstedt in Preußen die Beförderung jüdischer Richter in höhere Stellen ausgeschlossen war — nur der Schulfreund des Kaisers, der jetzige Oberlandesgerichtsrat Sommer in Kassel machte eine Ausnahme — ist jetzt der Laudesgerichtsrat Hammerschlag in Hannover als Kammergerichtsrat nach Berlin berufen worden, sind die Landesgerichtsräte Wieruszowski und Rothschild in Cöln Oberlandesgerichtsräte, der eine in Cöln, der andere in Hamm geworden. Nicht die jüdische Fachpresse, sondern die liberale Presse hat diese Abkehr von der eigentümlichen Praxis des früheren Justizministers Schönstedt mit Jubel begrüßt. War doch auch diese Abkehr zweifellos nicht da' auf berechnet, den Juden einen Gefallen zu erweisen, sondern