Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Neue Blutlügen
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 230 (sequence 5)
- Language
- German
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230 Im deutschen Reich. nicht hasse und verwahre mich dagegen, daß durch die Zeitung eine neue Hetze angefacht wird. Begreifen kann ich nicht, wie in der Zeitung von einem Ritualmord die Rede sein kann, wo nicht das Geringste bewiesen ist. Wir müssen nach den Lehren unserer Religion mit den Andersgläubigen in Frieden leben und unsere Gegner mit anständigen Waffen bekämpfend Erfreulicher Weise trat auch der Erste Staatsanwalt zu Beuthen in einer amtlichen Bekanntmachung in der „Oberschles. Grenzztg." jenem wüsten Wahn entgegen. Nachdem er in seiner Bekanntmachung den Leichenfund eingehend geschildert, fährt er fort: „Die Zerstückelung der Leiche muß unter Anwendung großer Gewalt und mittels eines Fleischerhackbeils oder eines ähnlichen Werkzeuges bewirkt sein; der Täter muß mit der Zerlegung von Fleisch Bescheid wissen. Für einen Giftmord fehlt nach dem Ergebnis der gerichtlichen Leichenöffnung jeder Anhalt. Auch die Annahme eines Ritualmordes ist nach dem Gutachten der obduzierenden Aerzte ausgeschlofsen. Die Leichenteile waren keineswegs blutleer. Die Sektion hat mit Sicherheit ergeben, daß der Tod durch die Schädelverletzungen verursacht und die Zerlegung der Leiche, insbesondere auch die Trennung des Kopfes vom Rumpfe, erst nach dem Tode erfolgt ist." Die „Freie Deutsche Presse" ist mit der Fassung der Bekanntmachung des Staatsanwalts nicht Zufrieden und meint: „Wenn er schon eine Bemerkung bezüglich des Ritualmordes machen wollte, so hätte er sich die Bekanntmachung, die seinerzeit der Landrat von Pleß, Herr v. Heyking, erließ, zum Vorbild nehmen sollen, die ausdrücklich von dem „Märchen der Ritualmorde" spricht. Der Erste Staatsanwalt hätte also sagen sollen: „Da es Ritualmorde nicht gibt, so kann auch hiervon einem solchen keine Rede sein." Denn er weiß doch wohl, daß es mit den Ritualmorden genau so steht, wie mit den Hexen. Hexenprozesse hat es genug gegeben, Hexen aber nie". Hexenprozesse scheinen aber die Organs des Herrn Hans von Mosch und Krösell zu ersehnen, denn, da mit