Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Die Rießer-Gedenkfeier des Central-Vereins
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 224 (sequence 8)
- Language
- German
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224 Iw deutschen Reich. dienen, daß sie unser Recht unterjochen, daß wir es sind, die, sich ihrer Haut wehrend, dem Rechte zum Siege verhelfen müssen. Daß der Kamps nötig ist, sieht jeder, daß der einzelne ihn nicht allein kämpfen kann, muß sich der Verständige sagen. Was also bleibt übrig, als dem zu folgen, was Rießer uns gewiesen: Zusammentun sollen wir uns, zusammenscharen, um für das Recht zu kämpfen, für das Recht, nicht für unsere Glaubensgenossen. Wie in Rom die Gladiatoren sagen konnten: „Wir kämpfen für das Vaterland, indem wir zu spielen scheinen," so können wir sagen: Indem wir anscheinend nur unser Recht verfechten, kämpfen wir für deutsches Recht, für deutschen Namen, für deutsche Ehre. In unserm Vaterland nicht weiter die Schmach des Jahrhunderts, wie der edle Kaiser Friedrich dies bezeichnet hat, bestehen zu lassen, unser Land nicht hinzustellen als das Land des Rückschritts, das Wort wahr zu wachen: Deutschland in der Welt voran! das gilt in diesem Kampfe. Wenn wir auf uns selbst dabei gestellt sind — Gott sei es geklagt — schlimm genug für unser Deutschland, wenn wir die Unterdrückten allein stehen sollten. Das kanu auf die Dauer nicht sein und das wird nicht sein. Wie ursprünglich, als die Rechte der Juden verkümmert wurden, gerade Andersgläubige es waren, die sich auf den Kampf besannen, früher als wir selbst es taten, so wird in immer weitere Kreise die Erkenntnis dringen müssen: der Kampf ist gerecht, den die Juden kämpfen, und das Recht siegt, wie es noch immer schließlich gesiegt hat. Lassen Sie uns das Unsere tun, daß, wenn in abermals hundert Jahren der Geburtstag Rießers von unfern Enkeln und Urenkeln gefeiert werden wird, diese dann — um wiederum ein Goethesches Wort zu gebrauchen — ihrer Väter gern gedenken, daß sie, wenn sie an uns zurückdenken, nicht sagen: durch Treulosigkeit, durch feige Fahnenflucht, durch kläglichen Abfall in Zeiten des Kampfes hat man sich zu falvieren gesucht, sondern, daß sie der Väter gern gedenken mit der Ueöerzeugung treuer Männer, daß sie sich sagen können: die Väter haben einen ehrlichen Kampf gekämpft, und wenn — wir hoffen es — dann unsere Enkel in einer Zeit glücklichster Gleichberechtigung leben werden in Deutschland, dann wögen sie sich sagen: der letzte Versuch, die Menschenrechte den Juden des Glaubens wegen zu verkümmern, dieser Versuch hat zu rechter Zeit die rechten Männer auf dem Plan gefunden.