Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Die Rießer-Gedenkfeier des Central-Vereins
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 223 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Rießer-Gedenkfeier des Eentral-Verems. 223 Jugend es sagen kann: unsere Jugend war es, unsere akademische Jugend, von der zuerst der Gedanke ausging: Nicht ausruhen, kämpfen für fein Recht! Zwanzig Jahre sind es, seit in Breslau die „Viadrina" begründet wurde, die auf ihre Fahne den Kampf ums Recht geschrieben, die als ihre Devise verkündete: Das Bekenntnis, daß wir Juden sind und Deutsche, daß wir nicht müde werden dürfen, es zu bekennen, frei zu bekennen, und dies als eine Ehrenpflicht anzusehen, um so ehrenvoller, je ungerechter man uns deswegen bedrückt. Das Samenkorn, das die ^Viadrina" ausgesät, sehen wir herrlich aufgegangen. Der schwache Stamm, der in Breslau in die Erde gebracht wurde, ist zu einem weitverzweigten Baum herangewachsen an allen möglichen deutschen Hochschulen, und das ist es, was ich besonders betonen möchte; denn dieser Sinn unserer Jugend gibt uns die Gewähr für eine Zukunft, die hoffentlich auch wir Aelteren noch erleben werden in der Erfüllung unserer Wünsche, einer Zukunft aber, die wir sicher vorschauend ahnen können, einer Zukunft, in der zur Tat wird, was auf dem Papier uns dank dem Wirken Gabriel Rießers längst zuteil geworden ist. Es ist schon von dem Herrn Vortragenden erwähnt worden, wie selbstverständlich fei, daß in unserem Centralverein des 100. Geburtstages dieses Mannes gedacht wird. Rießer selbst sagt in dieser Beziehung in einem Briefe: „Die Gegner des Rechts aus jeder neuen Stellung zu vertreiben, in jeden Schlupfwinkel zu verfolgen, jede neue Schlangenwindung der Lüge zu entwirren, das ist die Aufgabe, die wir uns zu stellen haben. Aber die Lösung dieser Aufgabe bedarf der Tätigkeit vieler, des Mitgefühls aller. Das Wort des Einzelnen bedeutet, nichts, wenn nicht eine Schar Mitstrebender ihr Empfinden und Wollen in demselben Wirken erkennt und es zu dem Losungswort ihres Wirkens macht". Was Rießer hier verkündet, das hat sich in der Zukunft als notwendig erwiesen. Mutet es nicht an, als wenn man das Programm unseres Vereins sich vor Augen hält, wenn man diese Worte liest? Von der Notwendigkeit des Kampfes durchdrungen sind viele, wenn nicht alle. Selbst unsere Gegner wissen es recht gut, wenn sie auch heuchlerisch nicht eingestehen wollen, daß nicht sie es sind, die dem Rechte