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Im deutschen Reich · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. 225

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Die Rießer-Gedenkfeier des Central-Vereins
Date
1906-04-01
Page
225 (sequence 9)
Language
German
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Die Rießer-Gedenkfeier des Central-VereinZ. 225 Tue jeder das Seine, daß er sich sagen dars: ich habe mitgekämpft in diesem Kampfe, er betraf mich, er betraf die Meinen, die mir am nächsten stehen, meine Glaubensgenossen, diemit mir leiden sollten; ich habe meine Pflicht getan an meiner Stelle. Nicht jeder kann an vorderster Stelle kämpfen, aber jeder kann das Seine tun, um den Kampf zum Siege zu führen. Sie wissen recht gut, wie es in Deutschland bestellt ist. Sie wissen, wir haben keine jüdischen Offiziere, Sie wissen, in welcher Lage unsere Lehrer, wie unsere Lehrerinnen sind, soweit sie überhaupt ein Amt errungen haben. Sie wissen, wie es auf andern Gebieten allüberall aussieht, wo man die Juden allenfalls in Stellungen hineinläßt, die ihnen gebühren. Sie wissen, daß in einem Gebiete der Verwaltung anscheinend eine kleine Morgenröte am Horizont erscheint. Sorgen wir dafür, daß an den dunkelsten Stellen der Verwaltung die Wolken mit Donnerkrach Zusammenfällen, daß sie verschwinden müssen und die Sonne Zum Durchbruch kommt. Sorgen wir an unserem Teile dafür, daß das verwirklicht werde, was Gabriel Rießer von uns, seinen Nachkommen, erwarten durfte. Er selbst war der Edelsten der Nation einer im besten Sinne dieses Wortes, ein Vorkämpfer für bürgerliches Recht, für bürgerliche Freiheit, für alle Bürgertugenden, denen wir nacheifern müssen! Wenn Sie das, was Ihnen der Vortragende des heutigen Abends von Rießer berichtet hat, vollinhaltlich billigen müssen, wenn Sie voll Bewunderung aufschauen Zu jenem Manne, der uns den Weg gezeigt, den jeder deutsche Jude gehen muß, dann erinnern Sie sich seiner Worte: „Ihr sollt euch vereinigen Zu gemeinsamem Kampfe." Dann kommen Sie Zu uns, die wir diesen Kampf im Sinne Rießers führen und hoffentlich zum Siege bringen werden. Auf zum Kampfe alle, die unsere Glaubensgenossen sind in Deutschland, zum Kampfe, Zum Mitstreiten für unsere gerechte Sache, zum Kampfe und hoffentlich zum Siege, wenn wir alle Streiter sind im wahren, echten Sinne Gabriel Rießers! (Stürmischer Beifall). Mit dem klassischen Quartett aus der Cantate Nr. 28 von Bach „Lobe meine Seele den Herrn" fand die Gedenkfeier, die sicher allen, die an ihr teilgenommen haben, unvergeßlich bleiben wird, ihren Abschluß.

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