Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Die Rießer-Gedenkfeier des Central-Vereins
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 221 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Rießer-Gedenkfeier des CenLral-Vereins. 221 Deutschlands Weise haben uns nicht gelehrt, daß man durch solche Opfer ein Deutscher wird". Nachdem wir dieses Gelöbnis abgelegt haben, wenden wir uns zu ihm selbst und rufen frohen Herzens, nicht mit Klagen und Trauer aus: Gepriesen seist du, du Kämpfer für Freiheit und Recht. Leb' wohl Toter, sei gegrüßt Lebendiger, Gabriel Rießer! Nach einer kurzen Pause tiefer Ergriffenheit aller Anwesenden brach ein brausender, mehrfach wiederholter Beifall aus, der deutlich kundgab, wie diese Worte Begeisterung für das Andenken eines Mannes geweckt hatten, dessen Ideale der Central - Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens durch die Zusammenfassung so vieler Tausende deutscher Glaubensgenossen teilweise bereits verwirklicht hat und in Rießers Sinne vollständig zu erzielen bestrebt ist. Dieser den Kern der Bestrebungen des Central-Vereins bildenden Gesinnung gab die folgende Rede des Vorsitzenden des Central-Vereins- Vorstandes, des Herrn Rechtsanwalts Di\ Maximilian Horwitz, in Zündender Weise Ausdruck: Meine Damen und Herren! Goethe läßt in seinem Faust Wagner sagen: Es ist ein groß Ergötzen, Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen. Zu sehen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht. Und wie wir's dann so herrlich weit gebracht. „O ja, bis an die Sterne weit", läßt er mit bitterer Ironie Faust erwidern. Nun, meine Damen und Herren, wir haben mit wirklichem Ergötzen durch die hochbedeutsamen, beredten Worte des Herrn Vortragenden uns in die Zeiten von vor 40 bis 70 Jahren führen und Zeigen lassen, wie damals der große Mann gedacht, dessen Bild vor dieser Rednertribüne auf die Versammlung herabschaut: ein historisches Gemälde. Es ist das Bild, das die badischen Juden seinerzeit Gabriel Rießer gewidmet haben in Anerkennung seiner Verdienste um Judentum und deutsches Vaterland. Es ist ein groß Ergötzen gewesen. Zu sehen, wie der große Mann für uns gewirkt, geschaffen und gedacht hat, und, man darf wohl ohne Ironie hinzusetzen: wie wir es dann so herrlich