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Im deutschen Reich · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. 219

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Die Rießer-Gedenkfeier des Central-Vereins
Date
1906-04-01
Page
219 (sequence 3)
Language
German
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Die Rießer-Gedenkfeier des Central-Vereins. 219 hatte, insbesondere, wie er 1833, als ein neues Judengesetz geplant wurde, die beabsichtigte verschiedene Behandlung von sogenannten wirklichen Staatsbürgern und Schützenden bekämpfte und in der 1861 von ihm verfaßten Schrift „Die Judenfrage noch einmal vor den beiden Häusern des Landtages" die Behauptung aufstellte, daß ein vaterlandsliebender deutscher Jude ein besserer Deutscher sei, als mancher Junker, der die volkstümliche Entwicklung und eine dem Aufschwung der Zeit entsprossene Gesetzgebung bekämpfe. Während aber in einigen andern deutschen Staaten, wenn auch nicht ausschließlich durch das Wort Rießers, jedenfalls aber durch ihn mit veranlaßt, manche Schranken fielen, habe es noch lange Jahre gedauert, ehe in Preußen bessere Verhältnisse sich gestalteten. Nach einer eingehenden Schilderung der politischen, bezw. parlamentarischen Tätigkeit, die Rießer besonders wirkungsvoll im Frankfurter Parlament entfaltet hat, ging der Vortragende zu den Leistungen Rießers aus dem Gebiete der Literatur über, sein Eintreten für die Errichtung eines Lessing-Denkmals, aus die ihm 1859 von seinen Hamburger Mitbürgern übertragene Schillersestrede, auf seine Stellung zu Börne und Heine, die ihm beide nicht sympathisch waren, obwohl er diesen gegen einen I)r. Eduard Meier in Hamburg energisch verteidigte und auch Börnes Freundin in ritterlicher Weise gegen Verunglimpfung in Schutz nahm. Der Würdigung der schriftstellerischen Bedeutung Rießers ließ der Vortragende eine Schilderung der trefflichen Charaktereigenschaften Rießers folgen und verwies dabei darauf, mit welcher Verehrung Berthold Auerbach und zahlreiche andere Zeitgenossen sich über Rießers Charakter geäußert haben. Den Schluß des Vortrages bildeten folgende tiefergreifende Worte: „Gabriel Rießer ist tot. Aber wir vereinigen uns nicht zu einer bloßen Trauer-, sondern zu einer Gedenkfeier. Vielleicht ist der Ausdruck gestattet: eine solche Gedenkfeier ist eine Seelenfeier, wie wir sie an geweihtem Orte an hohen Festtagen veranstalten; denn auch unsere Feier sei keine Wallfahrt nach dem Grabe, sondern eine wirkliche Seelenfeier in des Wortes erhabener und schöner Bedeutung. In sinniger Weise wird bei unfern Seelenfeiern, nachdem die Güte Gottes gepriesen und mit inniger Pietät der Verstorbenen gedacht, ein frommer Gesang

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