Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Die Rießer-Gedenkfeier des Central-Vereins
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 218 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. -21* von Mendelssohn in wirkungsvollster Weise zur Ausführung. — Hierauf ergriff der Festredner des Abends, Professor Dr. Ludwig Geiger, das Wort Zu seinem Vorträge, dem die festlich gestimmte Versammlung mit Andacht lauschte. Einleitend erklärte der Redner, daß der Central-Verein das bestbegrünbete Recht habe, Rießer zu feiern; denn die Bestrebungen Rießers, der die Juden als eine Gesamtheit betrachtete, ohne Teilung der Parteien, ohne Trennung von Klassen, seien identisch mit den Zielen, denen sich der C. V. mit so glücklichem Erfolge zugewandt habe. Nach einem kurzen Umriß der äußeren Lebensverhältniffe und Zeitumstände, unter denen Rießer groß geworden, — „in Hamburg tanzte der Stock der deutschen Parteien auf dem breiten Rücken der oft geprügelten Juden" — Zeigte der Redner, wie Rießer dazu gekommen, den Kampf für die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden zu seiner Lebensaufgabe zu machen und mit welch edlem Zorne, welcher Begeisterung, welchem Geschick er die Waffen für Freiheit und Recht führte. Was David Friedrich Strauß einst über Ullrich von Hutten sagte: „Der Zorn war die Hebamme seines Geistes", das gelte auch von Gabriel Rießer, der von sich selbst einmal schreibt, ein bekanntes Wort Goethes variierend: „Und wenn der Mensch in seinem Zorn verstummt. Gab mir ein Gott, zu sagen, wie ich zürne." Der gerechte Zorn war es, der ihm die Feder führte, als er sich 1831 in seiner ersten Schrift an die Deutschen aller Konfessionen wandte, um sich über die Stellung der „Bekenner des mosaischen Glaubens" in Deutschland auszulassen. Diese Schrift darf geradezu als sein Lebensprogramm gelten. Er weist in ihr auf die schwierige und bedenkliche Lage der Juden hin, verurteilt diejenigen, die sich den Unbequemlichkeiten durch die Taufe entziehen wollen, und tritt mit hinreißenden Worten für Freiheit und gesetzliche Gleichheit ein. Jeder Jude habe, sofern er sich nur den Pflichten, die das Vaterland auferlegt, fügen wolle, ein Recht auf Enthebung aus der Sonderstellung, auf Gleichstellung. Um dieser Anschauung Geltung zu verschaffen, begründete Rießer unter dem Titel „Der Jude" eine eigene Zeitschrift. Der Vortragende berührte hierauf die Fälle, in denen Rießer sich eingehend mit preußischen Verhältnissen beschäftigt