Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 206 (sequence 7)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 206 bisher auf dem beschrittenen Wege errungen wurden. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich ein warmer Appell des Vorstandsmitgliedes der Ortsgruppe Breslau, Herrn D. N. Schlesinger, der Zu zahlreichen neuen Beitrittserklärungen führte. Nach der Pause erstattete der Leiter der Versammlung, Dr. Reich, den Jahresbericht der Ortsgruppe, bie auch im vergangenen Jahre die Interessen des Vereins mit Eifer im Auge behalten hat. Mehrfach lag Veranlassung vor, wegen antisemitischer Aeußerungen an Schulen einzuschreiten. Auch die Bopkottierung der jüdischen Aerzte durch den Ostmarkenverein (Anschlag des Geh. Rates Hasse am Schwarzen Brett der Universität Breslau) beschäftigte die Ortsgruppe aufs Neue. In der Diskussion berichteten mehrere Mitglieder über persönliche Zurücksetzungen,' die sie ihres Glaubens wegen erfahren. Ferner wurde von Herrn Zahnarzt Schachtel eine Anfrage an den Vortragenden gerichtet, wie sich der Vorstand zu der Tatsache stelle, daß ein Vorstandsmitglied nach wie vor Alter Herr einer studentischen Verbindung in Breslau sei, die keine Juden als Mitglieder aufnehme. Dr. Lewp erwiderte, daß es der Vorstand nicht als seine Aufgabe betrachten könne, Splitterrichterei zu treiben. Es handele sich um ein überaus verdientes Vorstandsmitglied, dem der Verein vieles zu danken habe. Die betreffende Verbindung habe keine Bestimmung in ihren Satzungen, die die Juden grundsätzlich ausschließe, und wenn augenblicklich die Strömung vielleicht auch dahingehe, keine Juden aufzunehmen, so könne doch auch das Motiv zum Ausharren darin liegen, daß sich der betreffende Alte Herr die Gelegenheit, zu gegebener Stunde im Sinne des Central-Vereins auf die Verbindung zu wirken, erhalten wolle. Aehnlich habe Dr. Jakobp-Eydtkuhnen dem Goslarer Verbände gegenüber die Stellung der Juden verteidigt. Der Einwand, der sich auf einen Bericht des Novemberheftes der Vereinszeitschrift stützte, nach welchem die Angelegenheit mit einer Niederlage des Dr. I. geendigt habe, wurde durch den Hinweis darauf widerlegt, daß die Sache noch nicht zum Abschluß gekommen sei und gerade jetzt neue Schritte in der Angelegenheit unternommen worden waren, (s. diese Nr.) Eine weitere Anfrage ging von der Voraussetzung aus, daß der Vorstand in einem Prozeß der Gemeinde Weilburg gegen die Redaktion eines jüdischen Witzblattes der Gemeinde Material geliefert habe. Herr Dr Lewp gab dazu die Erklärung ab,