Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 183 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 183 daß aktive Offiziere sich an einem derartigen Festabend eines ausgesprochen politischen Vereins beteiligen. Bisher war es erster Grundsatz unserer Armeeverwaltung, das Heer von jedem unmittelbaren Zusammenhänge mit politischen Vereinigungen hermetisch abzuschließen. Und das mit vollstem Rechte. Hier muß es in Wahrheit heißen: „principiis obsta!" Herr v. Einem hat unseres Dafürhaltens die dringendste Pflicht, über diesen unerhörten Vorgang des genannten Obersten und des genannten Offizierkorps seine schärfste Mißbilligung auszudrücken. 'Soll es etwa in unserem Heere Mode werden, solche kleinen, niedlichen „Pronunciamentos" nach bekannten, aber nicht gerade berühmten Mustern zu veranstalten?" In ähnlicher, noch schärferer Weise hat sich über den Zwischenfall die „Volkszeitung" wiederholt geäußert. Das Organ Stöckers aber hat seine Verlegenheit über den Appell an den Kriegsminister dadurch zu bemänteln versucht, daß es sich an eine noch höhere Stelle mit den Worten wandte: „Unser Kaiser freut sich der lebendigen Fühlung zwischen nationalem Heer und nationaler Bürgerschaft." Was die Antisemiten unter „nationaler Bürgerschaft" verstehen, ist aber eben nicht „national", sondern etwas, was weniger deutsch ist als die sogenannte „rote, grüne, gelbe oder goldene Internationale", denn jederzeit sind die deutschen Antisemiten bereit, sich nicht nur mit „österreichischen Reichsrittern", sondern auch mit französischen, czechischen, polnischen, russischen und rumänischen Feinden der deutschen Nation zu verbrüdern, wenn diese sich nur zu einer Judenhetze bereit erklären! Und was sie unter Fühlung zwischen „nationalem" Heer und „nationaler" Bürgerschaft verstehen, dürfte ein antisemitisches Ideal sein, das die Tscherkessen in Südrußland in traurigster Weise bereits verwirklicht haben. Im deutschen Heere wird man solche Fühlung zwischen Heer und Bürgerschaft nicht aufkommen lassen. Wenn die „Kreuzzeitung" witzelnd ihre Verwunderung darüber ausdrückt, daß die liberale Presse, die doch sonst sich über die Kluft zwischen dem Offizierkorps und den Zivilpersonen aufhalte, sich über die Teilnahme aktiver Offiziere an politischen Vereinsveranstaltungen entrüste, so möchte sie doch lieber im bittersten Ernst beherzigen, daß in den Staaten, in denen cs „politische" Offiziere gibt, die „Pronunciamentos" nicht gerade selten sind. An maßgebender Stelle dürste man deshalb über „politische