Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 182 (sequence 10)
- Language
- German
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182 Im deutschen Reich. Tadelnswertes daran gefunden worden. Wollen Sie sich etwa als Obergericht etablieren und öffentlich darüber anders aburteilen? Mein Prozeß gegen Witte ist nach fünfjährigem Kamps ums Recht, in dem eine schlechte Presse eine Menge von Verdächtigungen gegen mich anhäufte, vollkommen zu meinen Gunsten entschieden und Witte zu allen Kosten verurteilt worden. Ich mache dem Abg. Bernstein den schweren Vorwurf, daß er unwissend und ungewissenhaft über mich geurteilt hat. Wundern tut mich das nicht. Deutsch ist es nicht, sondern wie Schopenhauer sagt: echt orientalisch." Daß der Abg. Bernstein der -Sohn einer „echt abendländischen" Christin und als solcher getauft ist, weiß der Abg. Stöcker sehr genau, aber wenn dieser mit seinem Latein zu Ende ist, spricht er auch nicht „deutsch", sondern den unverfälschten „antisemitischen Jargon". Einen ähnlichen beredten Judenfeind hat es schon im grauen Altertum gegeben, den als Vater des praktischen Judenhasses in Aegypten bekannten Apion, den Kaiser Liberias als die „Allerweltsschelle"(Tymparmm inundi) treffend bezeichnet hat. Die „große Glocke" Stöckers „Christentum, Vaterland, Monarchie" erinnert mehr an ein bekanntes, die Reklame geißelndes Lustspiel als an Schillers Mahnerin Zur Eintracht. Wie sie der Monarchie kaum zum Heil ertönen kann, wenn er und seine Schüler in ihren profanen Kapuzinerpredigten statt des „oontenti estote" zu den Unterbeamten von noch „unerfüllten, berechtigten Forderungen" sprechen, ist ebenso unverständlich, wie die Freude dieser eigentümlichen Monarchisten über das Hineinziehen von deutschen Offizieren in das politische Parteigetriebe. Ueber ein solches Vorkommnis berichtet das „Berliner Tageblatt": „Vor einigen Tagen beging der konservative Bürgerverein der Oranienburger Vorstadt sein sünsundzwanzigstes Stiftungsfest. Daß bei dieser Gelegenheit Hein- Stöcker sich's nicht nehmen ließ, eine gewaltige Lobrednerei auf die von ihm ins Leben gerufene „Berliner Bewegung" vom Stapel zu lassen, kann nicht weiter verwundern. An jenem Festabend war auch der Hauptmann v. Stülpnagel mit von der Partie, und zwar nicht als Privatmann, sondern um die Grüße des Kommandeurs des Gardefüselierregiments. Obersten v. Eberhard, und des Offizierkorps dem Vereine zu überbringen. Und das ist ganz etwas Neues,