Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 181 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 181 Berlins namens der Wirtschaftlichen Vereinigung des Reichstags mündlich die Zusicherung, daß von der gedachten parlamentarischen Gruppe die berechtigten Bestrebungen der -Beamtenschaft, wie des Mittelstandes überhaupt, jede erdenkliche Förderung erfahren würden. Da in dieser Zusicherung uuverhüllt kundgegeben wurde. Laß von anderer Seite den „berechtigten" Bestrebungen der Beamtenschaft nicht genügend Rechnung getragen werde und deshalb das Eingreifen der antisemitischen Gruppe nötig sei, ist es leicht zu verstehen, daß man, nach dem Berichte der „Staatsbürger-Zeitung", sich allgemein gegen die Regierung aussprach, die glaube, durch Zuschüsse an die Beamtenwohnungsvereine die Beamten mit ihren berechtigten Wünschen Zum Schweigen zu bringen. Wären die maßgebenden Kreise nicht durch das rote Tuch der Sozialdemokratie geblendet, so müßten sie einsehen, daß eine große Gefahr für die Zukunft in der antisemitischen Maxime liegt, den niedrig besoldeten Beamten und den im schweren Kamps um das Dasein stehenden kleinen Handwerkern einzureden, daß die antisemitischen Führer bei der Regierung irgendwelche Zugeständnisse für sie erzwingen könnten und würden. Wer solche loyale Bevölkerungskreise unzufrieden macht und mit Mißtrauen gegen die wohlwollenden Absichten der Regierung erfüllt, ist gewiß nicht berufen, mit der Sozialdemokratie zu rechten. Trotzdem begeistern sich die konservativen Mitglieder des Reichstags für die geschickte Dialektik und Beredsamkeit Stöckers bei dem Wahlkampf mit den Sozialdemokraten, jubeln, wenn er dabei heftige Jnvektiven gegen die Juden einflicht, und bewundern es, wenn an seiner ehernen Stirn alles abprallt, was von gegnerischer Seite gegen ihn vorgebracht wird. Ueber Geschmack läßt sich eben nicht streiten! Ms in der am 21. Februar abgehaltenen Reichstagssitzung ihm von sozialdemokratischer Seite zugerufen wurde: „Bon Handel und Rhederei verstehen Sie doch nichts; nur auf Rederei — ohne h — verstehen Sie sich ausgezeichnet!" schien er dies als eine Anerkennung aufzufassen. Da im Laufe der Debatte der sozialdemokratische Abg. Bernstein an den Scheiterhausenbrief Stöckers und an das Wort der Flora Gaß an Hammerstein „Komödianten seid Ihr doch alle!" erinnerte, erwiderte Stöcker in einer persönlichen Bemerkung: „Mein bekannter Brief an Hammerstein ist in einem Prozeß von einem Gerichtshof untersucht und nichts